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Der historische Stoff im Dienste der Kunst.
vermuthlich auch wie Keiner nach ihm; von ihm, der dafür bekanntist, daß er der unbedingt treuen Wiedergabe dieser Erscheinung zuLiebe zwar, wie wir gesehen haben, nicht aus künstlerische Anordnung,aber doch vielfach aus Formschönheit, Glätte, Eleganz der Anordnungverzichtet; wenn das von Menzel gilt, wie viel mehr von allen den-jenigen Malern, welche der eigentlichen Schönheit größeren Platz ein-räumen. Ob nun Rafaels Disputa die triumphirende und diestreitende Kirche, oder Offenbarung und Forschung, oder die Entstehungdes Transsubstanziationsdogmas vorstellen soll; ob die Mittelfigurender Schule von Athen Aristoteles und Plato oder Aristoteles undPaulus find, und, wenn das Erstere richtig ist, welches Plato undwelches Aristoteles ist: darüber schwebt der Streit der Gelehrten, undes ist wenig Aussicht auf seine Entscheidung. Aber daß auf beidenBildern in wunderbarer Weise mannigfaltige Schönheit vereinigt ist,darüber sind Gelehrte und Ungelehrte vom ersten Tage an einig ge-wesen. Und da soll man behaupten wollen, die Absicht des Künstlerssei nicht das gewesen, was ihm so über alle Maßen gelungen ist,wofür seit bald vier Jahrhunderten ungemindert sein Ruhm ertönt,sondern etwas, das er so wenig erreicht hat, daß mit allen Mittelnder Gelehrsamkeit darüber gestritten wird, ob er es beabsichtigt hat?Und da sollte es eine Herabsetzung des Künstlers sein, wenn ichmit Lessing behaupte, nicht die Darstellung des geschichtlichen Her-gangs, sondern die Vereinigung mannigfaltiger Schönheit sei RafaelsAbsicht gewesen?
Und gilt nicht dasselbe von allen Andern, welchen das Urtheilder Mit- und Nachwelt den Namen Künstler beigelegt hat? Sollich an Rubens' Leben der Maria von Medici erinnern, bei dem derMaler gewiß sehr wenig, oder anPaul Delaroches historische Gemälde,bei denen er gewiß sehr viel durch das Interesse am Stoffe bestimmtwurde, die aber beide gleich sehr diesen Stoff im Dienste der Schön-heit verwenden? Soll ich Nachweisen, wie bei unseren besseren modernenSchlachtenmalern, wie Eybel, Camphausen, Bleibtreu, Hünten,die Darstellung des historischen Moments, derselbe sei auch noch so be-deutsam, doch nur so weit getrieben ist, als sie, ich möchte sagen, alsResultat aus der Gruppirung schön bewegter Massen hervorgeht?Wie es die Gestalten und ihr Pathos sind, die Defregger amHerzen liegen, und nicht die Begebenheiten? Und wie dasselbe bei