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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der historische Stoff im Dienste der Kunst.

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schaut. Nicht die Geschichte, das ist der Verlauf der Dinge nachihrer Zeitfolge, nach ihrem pragmatischen Zusammenhänge, ihrerWechselwirkung ist es, was ihn ergreift; sondern das Bild des Er-eignisses oder der Persönlichkeit, welches durch die Bekanntschaft mitdem historischen Stoff in seiner Seele unmittelbar lebendig wird.Und indem er dieses nach den Gesetzen der Kunstschönheit geordneteBild auf die Leinwand, das Papier, die Wandfläche wirft, meint erwohl nur das Geschichtsbild malen zu wollen; er übersieht dabeiaber, daß er von der Geschichte eben nur diejenigen Momente malt,welche sich ihm zum Bilde gestaltet haben, oder, was dasselbe sagenwill, nur diejenigen Momente, an welchen er mannigfaltige Schönheitdarzustellen Gelegenheit fand. Man prüfe doch nur die IllustrationenAdolf Menzels zu Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen auf dieFrage: was malt er? und was malt er nicht?, um sich zu überzeugen,wie niemals die historische Bedeutung, sondern immer die Fähigkeit,künstlerische Gestalt anzunehmen, über die Auswahl des zu illustrirendenStoffes entscheidet. Freilich dient sein Werk der Geschichte, aberdurchaus nur so, wie etwa der Zeus des Phidias der Religion dient.Die Persönlichkeit seines Helden, so wie ihn dessen Zeitgenossen ge-schaut, in seinen: Leben und Handeln, seinem Pathos und Ethos, imRahmen seiner Zeit mit möglichster Treue wiederzuschaffen und derNachwelt zu zeigen, ist sein Zweck; aber darum zu sagen, er schreibeGeschichte mit seinem Stift, wäre völlig verkehrt: denn er zeichnetweder Zeitverhältnisse noch Verhandlungen, weder Märsche nochKämpfe, weder die Regierung noch die Gesetzgebung, weder die dichte-rische noch die schriftstellerische Thätigkeit des großen Königs; sondernwas er zeichnet, das sind eben Scenen, Bilder, wie sie sich ausjenen Dingen ergeben, Personen und Gegenstände, die sich im Augedes Künstlers zu charakteristischer Erscheinung zusammenschließen, undvor Allem ist es der Mensch, sein Held, auf dessen Antlitz, in dessensichtbarer Erscheinung sich die genannten Dinge abspiegeln. Nicht inden Dienst der Geschichte stellt er seine Kunst, sondern Leides, seinKönnen wie den geschichtlichen Stoff, stellt er in den Dienst seiner reinkünstlerischen Aufgabe: der Gestaltung des Bildes Friedrichs des Großen.

Wenn das aber von Adolf Menzel gilt, von ihm, der die Ge-schichte der Fridericianischen Zeit studiert hat wie Wenige, und siebeherrscht nach der Seite ihrer Erscheinung, wie Keiner vor ihm,