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Der historische Stoff im Dienste der Kunst.
dem großen Publicum immer die Fixirung des historisch-bedeutenden Momentes die Hauptsache sein; sie werden freilich, wosic die Wahl zwischen mehreren Darstellungen desselben Gegenstandeshaben, in der Regel derjenigen den Vorzug geben, welche den höherenGrad der künstlerischen Vollendung zeigt; aber nicht um des größerenKunstwerthes willen, sondern weil die künstlerische Vollendung den-jenigen Aufbau in sich schließt, welcher den Hergang am klarsten dar-legt, das Interesse am meisten aus den Hauptpunct der Handlungconcentrirt, die Gestalten durch ihre Schönheit und Lebenssülle dentiefsten Eindruck machen, sich dem Gedächtnis; des Beschauers am festesteneinprägen läßt. Aber derWerth des historischen Stoffes für denKünstler?Natürlich fällt es mir nicht ein zu läuguen, was auch Lessing, dererste, der aus die Größe Friedrichs des Zweiten ein dichterisches Kunst-werk baute, bereitwilligst zugestauden haben würde: daß der Künstlerdem Stoff und der Tendenz der Aufgabe, die ihm gestellt wird, nichtgleichgültig gegenüber stehen darf, daß er unfähig wäre die Aufgabezu lösen, wenn er nicht erfüllt wäre oder sich erfüllte mit der An-schauung, der Gesinnung, aus der sie hervorgegangen: daß ohne be-geisterte Ueberzeuguug von der Größe der Kirche, der Herrlichkeit desPapstthums Ratael nicht die Stanzen hätte schaffen, ohne innigstesDurchdrungensein von der Bedeutung Friedrichs des Großen, ohnetiefinnerliches Interesse au den Einzelheiten seiner Geschichte und seinesLebens Adolf Menzel nicht der Maler Friedrichs des Großenhätte werden können: — aber eben so unläugbar, ja zweifellos fest-stehend scheint es mir, daß der malerische Werth dieser Stoffein erster Linie in ihrer Geeignetheit besteht, künstlerischeGestalt anzunehmen, oder was dasselbe ist, in der Gelegenheit,die sie dem Künstler geben, schöne Gestalten zu schöner Compositionzu vereinigen. Am Ersten dürften vielleicht manche Künstler selbst ge-neigt sein, dies zu bestreiten und zu behaupten, daß das stofflicheInteresse sie in erster Linie beherrsche, daß also, um bei dem eben ge-wählten Beispiel zu bleiben, die Darstellung der GeschichteFriedrichs des Großen Menzels eigentlicher Zweck sei. Aberdie Solches behaupten, befinden sich im Jrrthum. Sie bedenken nicht,daß der wahre Künstler den Stoff, mit dem er bekannt wird, dem ersein Interesse zuwendet, von vorn herein künstlerisch auffaßt, daßer ihn nicht als geschichtlichen Hergang denkt, sondern als Bild