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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Stellung des Künstlers zum Zeitbewußtseiu.

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selbst von der Geistesrichtung erfüllt sind, welche ihnen die Aufgabenstellt. Dem Mönche des Mittelalters kommt sicherlich nicht der leisesteGedanke, daß seine völlige Hingabe an den scholastischen, asketischen,mystischen Stoff, den er darzustellen durch seinfeigenes Innere ge-trieben wird, eine Erniedrigung seiner Kunst sein könne; inan kannauch nicht einmal sagen, daß sie das thatsächlich sei; denn seine Kunsteristirt eben nur als Dienerin der religiösen Idee, welche ihn völligbeherrscht. Aber mit der Zeit ändert sich dies. Im Dienste der re-alen oder idealen Mächte erwächst die Kunst, und es kommt derAugenblick, in dem sie zum Selbstbewußtsein gelangt und nun sichdas Ziel setzt, nur ihren eigenen Gesetzen zu gehorchen und da zuherrschen, wo sie bisher gedient hat.

Nur um solche Zeiten also, in denen der Künstler dem Auftrag-geber gegenüber steht, kann es sich für unsere Frage handeln. Zuden Künstlern rechnet inan allerdings auch denjenigen, der eben nurdie Technik seiner Kunst beherrscht. Er wird denn freilich diese seineTechnik bedingungslos in den Dienst des Auftraggebers oder desStoffes stellen, wird Dinge malen oder Gedanken, Geschichte oderTheologie, Allegorieen oder Mordthaten wie es von ihm verlangtwird. Und ebenso, wie er, verfährt auch mancher Andere, der höhereBegriffe vom Wesen der Kunst hat, den aber Habgier, Eitelkeit, Ehr-geiz, gar oft auch die Nothdurft des Lebens dazu treiben, sein besseresWissen und Empfinden dem Dienste der Mächtigen, des Publikums,der Mode zu opfern. In Bezug auf diese Art von Künstlern ist dennnun das verwerfende Urtheil Lessings gerechtfertigt. Freilich habenwir oben nachgewiesen, daß auch sie das höchste Gesetz der bildendenKunst, das der Schönheit, insofern befolgen, als auch bei ihnen, sogewiß sie eben mit der Technik ihrer Kunst vertraut sind, die Figurendurch Anordnung, Verhältnisse, Beleuchtung zu einen: in gewissemGrade schönen Ganzen verbunden werden; jetzt jedoch werden wir zu-geben müssen, daß, je mehr der Maler den Bildhauer trifft diesnach dem oben Gesagten ja in geringerem Maße seine Kunst inden Dienst des Stoffes stellt, desto mehr die Gefahr wächst, daß dieeben bezeichnte Schönheit zu einer nur äußerlichen, zu einembloßen Rahmen werde, welcher ein Werk umschließt, das, wennüberhaupt durch die Vollkommenheit des Gegenstandes, doch nichtdurch die des unmittelbar dargestellten, nicht durch die der Gestalten