Der Begriff Ausdruck. Permanenter und transitorischer Ausdruck. 53
transitorischen Ansdruck. Und wenn er, um seine Behauptung,daß dem griechischen Künstler die Schönheit das höchste Gesetz ge-wesen, zu erläutern, von Timanthes (Opferung der Iphigenie) sagt:„so weit sich Schönheit und Würde mit dem Ausdruck verbinden ließ,so weit trieb er ihn": so ist auch hier zweifellos von transitorischemAusdruck die Rede. Daß aber Lessing nicht etwa später seine Ansichtgeändert, ergiebt sich aus den Collectaneen, dieser Sammlung vonNotizen, welche er erwiesenermaßen zum Zwecke der Benutzung in seinenferneren Arbeiten, und zwar, wie aus dem Artikel „Laokoon" (identischmit 22, s. o. S. 9) unwiderleglich hervorgeht, auch der Fortsetzung desLaokoon, angelegt hattesi. Der Artikel „Hamburg (1768)" (H. Bd. XIX,S. 374) nun enthält unter Anderem auch Schilderungen von Bildern.Darunter nennt er eins von einem Hamburgischen Maler Wagen-feld, „das größte und schönste" seiner Bilder, in der Johanniskirche:„welches den Jsaac in der Morgendämmerung mit dem Engel ringend
si Daher hat Guh rauer (a. a. O. S. 66) Unrecht, wenn er aus den nunfolgenden Beispielen schließt, daß man bei Lessing „unterscheiden müsse, wo erals Theoretiker, in der vollen logischen Konsequenz seiner Principien spricht, undwo er als gebildeter Geist sich den gegebenen Werken der Kunst und Poesie gegen-über befindet", oder, wie Justi dies sinnig umschreibt, „daß Lessing, wenn er ein-mal seine Theorie vergaß und sich von Eindrücken überraschen ließ, auch in derKunst nordisch, malerisch empfand." Vielmehr spricht Lessing an diesen Stellendurchaus in der Konsequenz seiner Principien: er notirt sich, was ihm an denGemälden, die er in Hainburg gesehen, Eindruck gemacht oder bemerkenswertherschienen. Was davon, und wie er es in der Fortsetzung des Laokoon verwerthethaben würde, können wir freilich nicht feststellen. — Bei dieser Gelegenheit binich übrigens meinen Lesern ein Bekenntniß und Herrn Justi einen Dank schuldig.Bei ihm uämlich la. a. O. S. 245 f.) fand ich einen Theil der in Rede stehendenStellen. Nun hat er im Allgemeinen die mehr für ihn als für seine Leser be-queme Gewohnheit, den Ort, dem er seine Citate entnimmt, nicht anzuführen;hier aber macht er eine Ausnahme. Auf Guhrauer verweist er zwar nicht, aberer führt die Citate ein mit den Worten: „So erzählt er (Lessing) z. B. inBriefen aus Hamburg." Ich bilde mir ein, meinen Lessing so ziemlich zukenne«, auch diese Stelle war mir nicht neu, wie man mir wohl glauben wird;aber durch das falsche Citat irre geleitet, suchte ich nun in den Briefen ausHamburg, und da ich sie nicht fand, suchte ich den ganzen Briefwechsel durch,wieder und wieder, von Lessing und an Lessing, bis ich endlich, nachdem ich wohlvierzehn Tage damit verloren, mich brieflich an Herrn Professor Justi wandteund von ihm auch die erwünschte Auskunft erhielt, gerade als ich die Stelle beiGuhrauer gefunden hatte.