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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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54 Der Begriff Ausdruck. Permanenter und transitorischer Ausdruck.

vorstellet und gewiß ein treffliches Gemälde ist. Die Wirkungder Morgenröthe auf alle Theile der Landschaft, die Aetion der Ringer,das Festhalten Jsaacs und dessen Begierde, seinen Gegner zu kennen,so wie das Losreißen und die Bemühung des Engels, sich nicht er-kennen zu lassen, sind in den Handlungen und Gesichtern ungemeinausgedrückt". Unter den Bildern der Sammlung des BürgermeistersGräfe hebt er einenschönen Lairesse" hervor:die Umarmungder Venus und des Mars, von dem ganzen Himmel erblickt, Mercuraus sie herabfahrend, um ihnen zn sagen, daß sie bemerkt werden,ein kleiner Amor, den Mercur zurückstoßend," u. s. f. Fernereinvortreffliches Stück von Hugtenburg, den Entsatz einer vonden Türken belagerten Stadt vorstellend, welches mich ganz be-zaubert hat. Welcher Ausdruck der Asfecten, der Furcht, desSchreckens, der Wuth, des Schmerzes, der Todesangst, und welcheGradationen in diesem Ausdrucke!" Man sieht, was Lessing hier alsschön hervorhebt, ist durchweg transitorischer Ausdruck, und zumTheil sehr hochgesteigerter. ^ Und sagt nicht derselbe Lessing:Erröthen macht die Häßlichen so schön,

Und sollte Schöne nicht noch schöner machen?"und der sollte behauptet haben, daß transitorischer Ausdruck mit derSchönheit unvereinbar sei?

Ich könnte mich nun mit dein Schlüsse begnügen, daß wir unssonach mit der Lessingschen Theorie in Einklang befinden, und denstreitigen Satz auf sich beruhen lassen. Aber weun ich mich auchkeineswegs der Hoffnung hingebe, ich könnte einen der Leute, welchesich so viel klüger dünken als Lessing, dahin bringen, daß er sich be-gnügte, Lessings Worte einer möglichst scharfen Kritik zu unterziehen wer wollte das verwehren? und darauf verzichtete, Lessing Ab-surditäten unterzuschieben: so möchte ich doch wenigstens nach Wög-

st Wenn Justi zn der letzten Stelle bemerkt:Aber nicht derder Schönheituntergeordnete Ansdruck" Hut ihn bezaubert; vergessen Hut er, daß der transitorischeAusdruck nie schön ist," so ist das eine ebenso dreiste als leichtfertige Behaup-tung. Woher weiß denn er, daß in dem Hugtenburgschen Bilde der Ausdrucknicht der Schönheit untergeordnet war? Hat er es vielleicht gesehen? Ichglaube gern, daß Herr Justivergessen" hat, was er vor zwei Jahren geschrieben;von Lessing ist mir das unwahrscheinlich.