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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der Begriff Ausdruck. Permanenter und transitorischer Ausdruck. 51

Selbstverständlich kann nun die bildende Kunst diesen Schein desLebens nur Hervorbringen, insofern derselbe sichtbar wird. Nunbestehen die sichtbaren Aeußerungen des Lebens in Affecten undHandlungen; erstere werden vorzugsweise sichtbar in dem Spielder Gesichtsmuskeln, dem Mienenspiel, letztere in den Bewegungendes Körpers. Aus beiden nimmt nun die Kunst einen einzelnenMoment heraus, um ihn zu firiren: den Moment des Mienenspielsnennen wir Miene, den der Bewegung Stellung oder Gebärde.Beides nennt Lessing (H. 4 sB. 5) S. 264)transitorischenAnsdruck". Das Leben äußert sich aber nicht bloß in einzelnenAffecten und Handlungen, sondern Arten von diesen und jenen wieder-holen sich häufig, je nach Temperament, Lage, Beruf des Menscheu.Durch diese Wiederholungen drücken sie dem Körper ein dauerndesGepräge auf, welches Lessing als denpermanenten Ausdruck"bezeichnet, und welches wir gewöhnlich unter dem NamenHaltungdes Körpers" undAusdruck des Gesichts" verstehen.

Indem also der Künstler seine Gestalten in Affecten und Hand-lungen begriffen oder in ihrer dauernden Eigenthümlichkeit darstellt,erhöht oder besser vertieft er durch Miene und Gebärde oder durchGesichtsausdruck und Haltung die Schönheit seines Werkes; zu derSchönheit der Form (und der Farbe) die Schönheit des Ausdrucksfügend bringt er die körperliche Schönheit zur vollen Darstellung.Hier aber hat es den Anschein, als setzten wir uns in Widerspruchzu Lessing, und zwar zu Lessings Theorie. Denn wenn er im Ent-würfe des zweiten Theils (4, XXXII, S. 264) sagt:Es gehört auchdazu (zur körperlichen Schönheit) die Schönheit der Farben und dieSchönheit des Ausdrucks", so scheint er dies nur von dem perma-nenten Ausdruck zu verstehen, von dem er anerkennt, daß sich der-selbenicht allein mit der Schönheit verträgt, sondern auch mehrVerschiedenheit in die Schönheit selbst bringt"; den transitorischenAnsdruck dagegen scheint er aus dem Inhalte der körperlichenSchönheit gänzlich auszuschließen, indem er ihn alsgewaltsamund folglich nie schön" bezeichnet. Das klingt in der That be-denklich genug, und ich würde gern mich Blümners Ansicht (Laokoon-studien, Heft II, S. 42) anschließen, daß LessingUster nur von dememinent Transitorischen spreche, nur von demjenigen, was er imLaokoon (III, S. 40 s165s) alsErscheinungen" bezeichnet, welche

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