Der teleologische Standpunkt und die moderne Anschauung.
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Lessingsche Satz: aber die Baukunst des Roccoco, welche an die Stelleder eigenen Vollkommenheit die fremde, malerische Schönheit setzt,das Gebäude aufhebt, indem sie es in Ornament verwandelt.
Auch dies scheint mir unbestreitbar, zum Mindesten so weit, daßich mich mit denen, die es bestreiten, in den Streit nicht einlassenmöchte. Damit ist denn auch das Folgende erwiesen. Denn daß dieeigene Vollkommenheit der Gegenstände, welche die bildende Kunstdarstellt, die körperliche Schönheit ist, kann ja wohl nicht an-gesochten werden. Und somit wäre denn der Lessingsche Beweis „ausbloßen Schlüssen," daß die Darstellung der Schönheit, und zwarder körperlichen Schönheit, die eigentliche Bestimmungund somit das höchste Gesetz der bildenden Kunst ist, als ge-lungen zu erklären.
VII.
Aer teleologische Standpunkt und die moderne Anschauung.
Vorausgesetzt natürlich, daß die Begriffe „Endzweck der Kunst,Bestimmung, Aufgabe der Kunst" berechtigt sind, daß man überhauptvon „der Kunst," als etwas Absolutem, reden darf. Aber diese Vor-aussetzung wird bestritten. Die moderne Anschauung lehnt sich aufgegen die dogmatisch teleologische Auffassung, die natürliche Con-sequenz des Lessingschen Theismus. Der Begriff der Kunst, sagen dieGegner, ist eben kein absoluter, sondern lediglich die Abstractiondessen, was die Künstler geschaffen haben; mit jedem neuartigenKunstwerk ändert sich der Inhalt dieses Begriffes; was der Künstlersich vorsetzt, das ist sein Zweck oder seine Aufgabe; von einem End-zweck, einer Aufgabe der Kunst als solcher kann gar nicht die Redesein. — Nun kann es natürlich nicht meine Aufgabe sein, zu ent-scheiden, welche von zwei entgegengesetzten Weltanschauungen dieWahrheit enthält; indeß ließe sich doch ein Versuch machen, eine Ver-mittelung, wenn auch nur in diesem einen Punkte, herbeizuführen.Die Frage, ob und was die Kunst an sich ist, kann für die Zwecke,