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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die eigene Vollkommenheit.

Hauers oder Malers ln Anspruch nehme; sondern auch hier richtet ersich wieder gegen die Aesthetiker seiner Zeit, welche fordern, daß derDichter das Werk des Malers, der Maler das des Dichters nach-ahme. Und er will ihnen auch das nicht verbieten, sondern betontnur, daß es nicht ihre eigentliche Ausgabe sei. Und daß er darinRecht hat, daß also nicht bloß der Musiker Musik machen, der Bau-meister Gebäude bauen, der Maler Bilder malen soll, sondern daßauch die Musik in erster Linie durch musikalische Schönheit, dasGebäude durch die der Bestimmung desselben angepaßte Harmonieseiner Verhältnisse wirken soll: das ist so zweifellos, daß es dochnur Leute bestreiten können und an solchen Leuten fehlt es aller-dings nicht denen es Bedürfniß ist, Wahrheiten zu läugnen,lediglich aus dem Grunde, weil sie schon so lange als Wahrheitenanerkannt sind. Jndeß Lessing spricht ja nicht bloß von der eigent-lichen oder ersten Aufgabe, sondern auch von der alleinigen Be-stimmung, dem höchsten Endzweck der Kunst. Und auch dies mitRecht, nur muß man es so verstehen, wie es Lessing ausdrücklich ver-standen wissen will (Laokoon II u. öfter): nicht ausschließend,sondern unterordnend; Raum lassend für jede andere Vollkommen-heit, ja auch für jede Unvollkommenheit, so weit dieselbe sich nur dereigenen Vollkommenheit des unmittelbar dargestellten Gegenstandesunterordnen läßt (Laokoon XXIV, bes. das über Thersites Gesagte);ausschließend nur diejenige Unvollkommenheit, welche mit jener Voll-kommenheit geradezu im Widerspruch steht. Er nennt die Darstellungder ich darf ja wohl sagen, eigenen Schönheit die alleinigeBestimmung, das höchste Gesetz, weil sie allein dem Kunstwerk un-entbehrlich ist, mit ihrer Beseitigung das Kunstwerk vernichtet würde.Lessing verbietet dem Musiker nicht Tänze zu componiren, er be-hauptet bloß, daß, wenn dieselben musikalische Kunstwerkesein sollen, ihre musikalische Schönheit über ihre Bestimmung,den Tanz zu begleiten, herrschen müsse. Lessing würde durchausnichts gegen die heutzutage so viel betonte dramatische Wirkung derMusik eiuzuwenden haben; aber er würde sehr entschieden dem Leit-motiv, welches an die Stelle der musikalischen Schönheit eine ausdem Groben gehauene Charakteristik setzt, das Recht bestreiten, sichfür Musik auszugeben. Nicht die mystische Symbolik des gothischenDomes, nicht die heitere Sinnlichkeit der Renaissance bekämpft der