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Der teleologische Standpunkt und die moderne Anschauung.
welche der Laokoon verfolgt, füglich unberührt bleiben; genug, daßwir von gewisfen Werken des Menschen etwas abstrahirt haben, waswir eben als Kunst und als Künste bezeichnen. Und wenn wirnun finden, daß zu allen Zeiten die Werke, welche als Kunstwerkeangesehen oder bezeichnet wurden, sich vor andern Menschenwerken da-durch auszeichneten, daß jene zu ihrem Stoffe Gegenstände hatten,welche um ihres höheren Werthes (also ihrer Vollkommenheit!) willender Vergänglichkeit, die zum Wesen jedes der Nothdurst des Menschendienenden Gegenstandes gehört, entrückt werden sollten (ob nun dieseGegenstände Figuren, Handlungen, Gebäude, Geräthe, Worte, Tönewaren); und wenn wir finden, daß zu allen Zeiten diese Erhebungder Gegenstände über das gemeine Loos der Dinge bewirkt wurde da-durch, daß sie die ihrem Wesen entsprechendste Form erhielten, daßsie in das Reich der Schönheit erhoben wurden, daß sie diejenigeSchönheit erhielten, deren sie ihrem Wesen nach fähig waren: so sindwir doch wohl berechtigt zu sagen, daß die vollkommene Dar-stellung vollkommener Gegenstände das Wesen der Kunstausmacht, und daß das Höchste, was der Künstler erreichen kann,die höchste Schönheit ist, welche in der völligen Uebereinstimmungschöner Form mit schönem Inhalt besteht. Uns scheint es nun freilichals ziemlich gleichgültig, ob wir diese Dinge als Wesen oder alsEndzweck der Kunst, als höchstes Erreichbare für den Künstleroder als höchste Aufgabe der Kunst bezeichnen; aber wenn für die-jenigen, welchen die Lessingsche Teleologie ein Stein des Anstoßes ist,das Aergerniß damit beseitigt wird, daß wir ihre Terminologie an-nehmen, oder, falls wir doch aus alter Gewohnheit in die Lessingschezurückfallen sollten, ausdrücklich erklären, daß wir darunter nichtsanderes verstehen, als das eben Vereinbarte: so steht unsrerseitsdiesem Compromiß nichts im Wege. Der Autor der „Erziehung desMenschengeschlechts" ist sicherlich weit entfernt, die ästhetischen Be-griffe, mit denen er operirt, die Gesetze, die er entwickelt, als ab-solute, in Ewigkeit gültige zu erklären: genug, daß sie so lange inKraft stehen, als sie von der Erfahrung bestätigt werden; daß dieseErfahrung sie bestätigt und bestätigen wird, bis die Natur desMenschen sich ändert; und daß zu einer solchen Aenderung bis heutenoch keine Aussicht ist.