254
In holder träumerischer Ruhe lag;
Wo Duft der Hauch und Blüthen alle Halme;
Wo linde Lust umathmctc die Palme,
Lautlos der Wind die Welle nur berührt,
Und saust Erquickung iu die Höhle führt,
Wo mit der Sängerin der Fremdling ruht,
Der ihr gelehrt der Liebe höchste GlutUnd deren Macht am meisten die bestrickt,
Die des Verlustes Grab noch nicht erblickt,
Die sich der Glut, der uugckanuten, neuenWie Märtyrer der Todesflammc freuen,
Und diesem Wouuerausch ganz hiugcgcbcnDünkt Sterben ihnen höchste Lust im Leben.
Sic sterben auch; denn was die Erde hat,
Ist gegen diesen Rausch nur schaal und matt;
Und was man je vom Himmel träumt und spricht,Umschließt vereint ein cwges Liebcslicht.
7 .
Da saß die holde Wilde sanft und lind,
An Wuchs ein Weib, au Jahren noch ein Kind,Was Kindheit unser kaltes Klima nennt,
Wo nur das Laster schnelle Reife kennt.
Kind einer Kindhcitswelt, ganz ohne Harm,
Rein von Natur, frühreif und hold und warm;Schwarz wie die Nacht, doch wie die Stcrncnnacht,Wie eine Grotte voll krvstallncr Pracht.
Mit Augen, die ganz offen sprechend lagen;Schlank, Aphroditen gleich im Muschclwagcn,Wenn alle Liebesgötter sie umfahn;
Wollüstig, wie des Schlummers erstes Nah»,
Doch lebensvoll; ihr tropisches GesichtErröthet sanft, was mehr als Worte spricht;