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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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zückend ist übrigens der schmale Mittelstreifen, derweiter nichts enthält, als vier pinselförmige Füsse, ohneirgend welchen sichtbaren Zusammenhang mit irgendwelchen Figuren. Aus der genauen Betrachtung dieserFlöte kann man für die Entwicklung der primitivenKunst und für den oft unbewussten »Conventionalismus«,der sie auszeichnet, mehr lernen, als aus manch einerlangen theoretischen Abhandlung.

Das grossartigste Stück dieser Gattung ist aufFig. 4 derselben Tafel abgebildet; es gehört zu denreichen Schätzen, die 1880 von S. M. S. Gazelleheimgebracht wurden; es vollständig zu deuten, gehtüber meine Kräfte. Ich habe auch gar keine Lust,mich in phantasiereiche Spekulationen einzulassen,sondern beschränke mich »darauf, den Leser auf dievielfachen Spirallinien aufmerksam zu machen, denenwir sonst auf neubritannischen Bildwerken nur seltenbegegnen. Im übrigen bitte ich, die Abbildung derAufmerksamkeit der in Neu-Britannien wirkenden Mis-sionare empfehlen zu dürfen; wenn irgend jemand, sosind diese berufen, im Vereine mit verständigen Ein-geborenen uns die Rätsel dieses Stückes zu enthüllen.

Ganz aus der Reihe aller anderen mir bekanntenFlötenverzierungen aus Neu-Britannien heraus geht dasauf Tafel XXXII, Fig. 12 abgebildete Stück, das Finschvon der Blanche-Bay mitgebracht hat; hingegen kommtdas Muster in ganz gleichartiger Form vielfach aufneubritannischen Rindenzeugen vor und findet dabefriedigende Erklärung; ich erwähne das Stück hiernur als interessanten Vertreter eines neuen Typus.Von grossem Interesse ist schliesslich noch ein weiteresStück, Taf. XXXIII, Fig. 5, eine Flöte aus Mioko; eserinnert in seinen Verzierungen völlig an die Speer-ornamente von Neu-Irland und Neu-Hannover (TafelnXXXVI und XXXVII). Diese werden später zur Be-handlung kommen, einstweilen scheint es mir nichtunwichtig, darauf hinzuweisen, dass wir dasselbe Orna-ment auch auf der sonst typisch neubritannischenFlöte Tafel XXXII, Fig. 2 wiederfinden. So scheintes, als ob der geographischen Lage von Mioko aucheine stilistisch vermittelnde Stellung zwischen Neu-Britannien und Neu-Irland entsprechen würde.

Im Anschlüsse an diese Flöte sei hier noch derTafel XXXV, Fig. 19 und 19 a abgebildete Rohrcylindererwähnt, der auf der Ausstellung als »Köcher aus Neu-Britannien« mein Aufsehen erregte. Als zu ihm gehörigwaren ein Bogen und mehrere Pfeile bezeichnet, die jederWahrscheinlichkeit nach aus Buka oder einer anderenInsel der Salomo-Gruppe stammten. Diese Bezeich-nung kann also unsere alte Meinung, dass Pfeil undBogen in Neu-Britannien fehlen, nicht erschüttern; wirwerden vielmehr an eine recente Einschleppung denken,die wohl mit dem labour-trade in Zusammenhang steht.Hingegen scheint der »Köcher« doch thatsächlich nachNeu-Britannien zu gehören. Die Berliner Sammlung

besitzt zwei ähnliche Stücke, freilich auch leider ohneganz genaue Angaben; ich glaube, dass alle drei Stückeals Büchsen für Betelkalk gedient haben und dass dasVorkommen dieser Art von Kalkbüchsen auf ein ganzkleines Gebiet des Bismarck-Archipels beschränkt seindürfte.

Völlig unwissend hingegen stehe ich einem anderenStücke gegenüber, das neben dieser Kalkbüchse aus-gestellt war, und das mit dieser und einer Reihe andererStücke durch die besondere Güte von Herrn MissionarLinckens seither in den Besitz der Berliner Samm-lung übergegangen ist. Wie die Abb. 17 auf Taf. XXXVzeigt, handelt es sich um ein etwa zwei Meter langesdünnes Rohr, das auf einem Ende einen trichterförmigenAnsatz, auf dem anderen eine Art Handhabe hat undganz mit einem der Länge nach zusammengenähtenund sehr zierlich schwarz und rot bemalten Stückglatten Rindenbastes umgeben ist. Der ganze bemalteTeil ist Fig. 17a und 17b abgerollt dargestellt; demStile nach kann das Stück ganz wohl nach Neu-Britan-nien gehören, aber seine Bestimmung ist mir völligunklar; ich weiss nicht einmal, was oben und was untenist, und kann daher auch für die richtige Orientierungder Zeichnung nicht einstehen; von dem trichterförmigenEnde hängt ein Lappen Rindenzeug herab, der, wennman etwa den Trichter auf den Kopf stülpen würde,als Nackenschutz oder Schleier gelten könnte.

Speerschaft-Ornamente aus Neu-Irland undNeu-Hannover.

Eine gewisse Art von Speeren der Neu-Irländerund der Leute von Neu-Hannover ist durch eine sehrlange Spitze aus Palmholz ausgezeichnet, die in einenRohrschaft eingesenkt ist, der stets kürzer ist, als dieSpitze. Ein weiteres bezeichnendes Merkmal dieserSpeere ist eine in typischen Formen immer wieder-kehrende Verzierung des Rohrschaftes. Die Ausstel-lung bot die lange gewünschte Gelegenheit, dieser Ver-zierung nachzugehen; die Taf. XXXVI und der obereTeil von XXXVII enthalten die wichtigsten Variantenderselben, abgerollt, auf der wirklichen Grösse ver-kleinert und mit Unterdrückung eines oft recht breiten,oft schmäleren schwarzen Streifens, der sie in der Regelnach oben oder unten abgrenzt.

Fast allen diesen Speeren, und es konnten weitüber hundert derselben zum Vergleiche herangezogenwerden, ist ein breites helles Band gemeinsam, dasam oberen oder am unteren Ende der ganzen Ver-zierung in zwei sehr steilen Schlangenwindungen denRohrschaft umgiebt; dabei scheint es bedeutungslos zusein, ob die vier einzelnen Elemente, aus denen dasBand besteht, eine rhombische Form haben, wie beiTaf. XXXVI, Fig. 1- oder linsenförmig sind, wie beiTaf. XXXVII, Fig. 5, oder mehr mandelförmig wie bei

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