den meisten anderen Speeren. An der Deutung diesesBandes würde ich verzweifeln, würde ich nicht aus denoben, S. 260 ff. beschriebenen neubritannischen Nasen-flöten mit einiger Sicherheit schliessen können, dasssie auf die hell gebliebenen Zwischenräume zwischenmenschlichen Figuren zurückzuführen sind. Die vierFlöten, die auf Taf. XXXII, Fig. 5, Fig. 1, Fig 2 undTaf. XXXIII, Fig. 5 abgebildet sind, führen uns, wennwir sie in der Reihe, in der sie eben aufgezählt wurden,aufeinander folgen lassen, direkt zu dem Schlangen-bande unserer Speere, und es ist dabei wahrscheinlichkein Zufall, dass, wie bereits oben erwähnt, die letzt-genannte Flöte aus Mioko stammt, einer kleinen, geradezwischen Neu-Britannien und Neu-Irland gelegenenInsel, die also, wenigstens für die eben behandeltenVerzierungen, eine stilistisch vermittelnde Stellungzwischen den beiden grossen Nachbarinseln einzunehmenscheint.
Diesem typischen, stets aus vier nahezu gleichenrhombischen, Spindel- oder mandelförmigen Elementenbestehendem Zickzackbande schliessen sich nun beiunseren Neu-Irland- und Neu-Hannover-Speeren fast stetsmehrere weniger regelmässig verlaufende Schlangen-bänder an ; ich kann diese nicht mit Sicherheit deuten,möchte sie aber in Erwartung einer besseren Erklärunginzwischen als »Wucherformen« des früher beschriebenenregelmässigen Zickzackbandes auffassen; andererseitsscheint mir freilich aus Taf. XXXVI, Fig. 7 und 9 her-vorzugehen, dass die Leute selbst schon jede Vorstel-lung von einem Zusammenhänge dieses Ornamentesmit der menschlichen Figur verloren hatten und wenigstensbei den erwähnten Speeren an wirkliche Schlangendachten. Dass in anderen Fällen diese langen Schlangen-windungen zu lauter einzelnen, ovalen oder rundlichen,in sich abgeschlossenen »Augen« zerfallen oder, wie beiTafel XXXVI, Fig. 14, sich zu zwei Figuren in derForm eines »Doppelankers« entwickeln, scheint mir nurvon nebensächlicher Bedeutung; auch ob die bei manchenSpeeren in einzelnen Windungen erscheinenden Systemevon konzentrischen Linien (s. z. B. Taf. XXXVI, Fig. 2,6 und 10) wirklich als »Augen« aufzufassen sind,*)möchte ich nicht mit Sicherheit entscheiden; viel wich-tiger ist, dass sich in einzelnen Fällen, so bei demSpeere Taf. )vXXVI, Fig. 8, noch wirkliche mensch-liche Gesichter mit richtigen und einwandfreien Augenerhalten haben. Ebenso möchte ich auf die Darstel-lung Taf. XXXVII, Fig. 5 grosses Gewicht legen; diekammartigen »Verzierungen« zwischen dem breiten vier-teiligen Bande sind, wie die Taf. XXXII, Fig. 1 ab-gebildete Flöte lehrt, zweifellos als Reste von Händenund Füssen zu betrachten; ähnlich, aber mit geringererSicherheit werden wir auch bei den sonst unklarenElementen am unteren Rande der Taf. XXXVI, Fig. 1,
*) Vergl. Schurtz, a. a. O.
10 und 13 abgebildeten Zierflächen an Fiisse zu denkenhaben.
Im übrigen macht die ganze Art und Weise, inder die Zierflächen dieser Gattung Speere behandeltsind, einen merkwürdig decadenten Eindruck; es istein wirres und wenig erfreuliches Durcheinander vonLinien, die man nicht nur selbst kaum oder garnichtversteht, sondern von denen man annehmen darf, dassauch ihre Urheber sie nicht mehr recht verstanden haben.Unwillkürlich entsteht da der Wunsch und das Ver-langen, die älteren Formen dieses Typus kennen zulernen, die sich möglicherweise auf einzelnen kleinerenInseln des Bismarck-Archipels oder in bisher wenigerbesuchten Teilen von Neu-Irland bis auf den heutigenTag erhalten haben oder vielleicht gar schon seit einemJahrhundert irgendwo in einer dunklen Ecke einerenglischen Sammlung der Auferstehung und Publikationentgegensehen. Dass wir da künstlerische Darstellungenersten Ranges zu erwarten hätten, ist sehr wahr-scheinlich; die Taf. XXXVI, Fig. 3 abgebildete Ver-zierung eines Speeres, den S. M. S. Gazelle von Neu-Hannover gebracht, lässt wenigstens auch sehr hochgespannte Erwartungen berechtigt erscheinen, und ihrevier Maskenköpfe strengen Stiles sind von grosser undeigenartiger Schönheit. Leider ist dieser Speer dereinzige, unter weit über hundert seiner Art, mit einerso sehr erfreulichen Darstellung, und ein anderer Speer,den die Herren von der »Gazelle« am selben Tageund vielleicht von demselben Manne erworben haben,lässt, wie sein Taf. XXXVI, Fig. 13 abgerollterMantel zeigt, nur zu deutlich erkennen, wie rasch dadie alte Kunst völliger Entartung anheimgefallen ist.Kann es doch kaum ein kläglicheres Gekritzel geben,als das unter der oberen Kante des Mantels, in demwir nur mit Mühe die Reste der schönen Köpfe er-kennen, die wir in Fig. 3 so lebhaft bewundert haben.
Einige Verzierungen an Admiralty-Speeren.
Von ganz besonderem Interesse erwies sich derdurch die Ausstellung ermöglichte Vergleich einer sehrgrossen Anzahl von Speeren der Admiralty-Gruppe.Diese haben alle einen recht rohen Schaft, meist ausHolz, selten aus Rohr, und eine in der Regel*) ausObsidian zugeschlagene Spitze, die so charakteristischist, dass Admiralty-Speere selbst in ganz schlecht ge-leiteten und sonst an falschen Angaben sehr reichenSammlungen meist richtig bezeichnet sind. Hingegenhat man die oft sehr prächtigen Verzierungen, welchealle diese Speere an dem Verbindungsstücke zwischenSchaft und Spitze haben, bisher fast ganz übersehen,
*) Ich kenne nur wenige Speere mit Holzspitze, (vgl. Taf. XL,Abb. 7); noch viel seltener sind solche mit einem Trygon-Stachel;die Hamburger Sammlung besitzt einen prachtvollen Speer mit dreiTrygon-Stacheln nebeneinander, einen richtigen Dreizack.