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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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die man hier beinahe alltäglich zu sehen bekommt unddie man noch auf den 30—40 km vom Ocean ent-fernten Namibflächen beobachten kann.

Es lässt sich kaum ein grösserer Gegensatz denkenals derjenige, welcher zwischen dem Klima der Küsteund demjenigen des Innern besteht. In 5 °—6° kmKüstenentfernung verschwinden auch die allnächtlichnoch auf einige Stunden eintretenden Nebel. Bei Tagestrahlt der Himmel im reinsten Blau und während derNacht leuchten die Sterne des südlichen Firmamentsmit einer Klarheit hernieder, von der man sich beiuns keinen Begriff machen kann. In den Gebieten,die bis zu 150 km Meeresentfernung sich in das Innereziehen, ist diese Reinheit des Himmelsgewölbes auchwahrend der Regenzeit sehr gross, da die Bewölkungund der Regenfall hier nur unregelmässig und in denmeisten Jahren ziemlich schwach auftreten. So hatnoch Tsaobis (Wilhelmsfeste), etwa 140 km vom Oceanentfernt, einen mittleren Regenfall von höchstens 15 bis20 cm. So vermag in der bereits ziemlich dünnenund reinen Luft dieser Hochflächen die Sonnenwärmebei Tag und die Ausstrahlung bei Nacht grössereGegensätze der Temperatur hervorzubringen als dieentgegengesetzten Jahreszeiten. In den kühlsten Winter-monaten, also in der Zeit vom Juni bis August, kannes nachts zu den stärksten Frösten kommen, währenddie Wärme in den Mittagsstunden 25 0 und darüber be-trägt. Gleichzeitig ist die Luft von einer so fabelhaftenTrockenheit, dass alles europäische Ilolzwerk in kürzesterZeit zusammentrocknet und tüchtige Risse bekommt.Die Haut blättert bei langem Aufenthalt im Freien imGesicht und an den Händen förmlich ab, und die Nägelwerden brüchig. Kadaver, die nicht von den Hyänenund Schakalen vernichtet sind, werden zu Mumien,überhaupt tritt Fäulnis und Verwesung in diesen Land-schaften viel weniger leicht ein als in Europa; gleich-zeitig ist die durchsonnte und trockene Luft und derBoden freier von jenen Krankheitskeimen, die in denTropen und Subtropen so manche die Gesundheit desMenschen schwer schädigende Störungen hervorrufen.Kurz, die Trockenheit der Luft und die verhältnis-mässige Seltenheit des Regens, der fast immer in Formsommerlicher Gewittergüsse fällt, haben auch Vorteileim Gefolge, und nicht der geringste ist der gesundeEinfluss der grossen täglichen Temperaturschwankungund die Möglichkeit, in der trockenen Luft auch grosseWärmegrade ohne Nachteil für die Gesundheit ertragenzu können — alles Eigenschaften, die das Klima derUebergangslandschaften selbst in der von Oktober bisMärz dauernden heissen Zeit durchaus erträglich er-scheinen lassen.

Diese Charaktermerkmale des innersüdwestafrika-nischen Klimas bleiben nun auch in den höheren Ge-bieten dieselben. Nur im äussersten Norden, in denEbenen des Ambolandes, beginnen tropische Verhält-

nisse Platz zu greifen, indem die Mitteltemperaturendaselbst, hauptsächlich durch das Wärmerwerden derWintermonate, zunehmen. Gleichzeitig treten in jenenGegenden bereits Malariafieber viel häufiger auf alsselbst in den Flussniederungen des Damaralandes.Auch scheinen die Niederschläge dort keinen so grossenSchwankungen zu unterliegen wie in den südlicherenLandschaften.

Im Damaralande macht sich bereits ein ziemlichdeutlicher Unterschied der zwei entgegengesetztenJahreszeiten fühlbar, der sich im Namalande noch mehrverschärft. Allerdings ist dies mehr die Folge der kaltenNächte, in denen es häufig zu starken Frösten kommt,als der Tagestemperatur, die an den meisten Winter-tagen immer noch an diejenige eines milden September-tages in Deutschland erinnert. Die trockene Luft unddas Fehlen winterlicher Niederschläge lassen indessenauch die Nachtkälte ohne Schaden für die Gesundheitertragen. Nur im Süden des Schutzgebietes sehen wir,wie ganz allmählich auch die Wahrscheinlichkeit einigerwinterlicher Regenfälle zunimmt, ein Zeichen, dass mansich dort der Winterregenzone des Kaplandes nähert.

Im eigentlichen Hochlande, also in dem grösstenTeile des Damaralandes und fast im ganzen Namalande,ist aber auch die Temperatur des Sommers durchauserträglich. Die Tageswärme ist zwar an den Tagenohne stärkere Bewölkung oft bedeutend (Maxima vonmehr als 35 0 und auch in den Landschaften von über1600 m Höhe von über 30° sehr häufig), aber sie istbei der geringen relativen Feuchtigkeit sehr leicht zuertragen. Vor allem sind die Nächte auch im Sommer-halbjahr so kühl, dass sie stets eine Erfrischung fürden Körper bedeuten; von 90 Nächten während desHochsommers 1892/93 hatten in Windhoek nur -5 eineniedrigste Temperatur von 19 0 und darüber, während inden meisten das Minimum weniger als 16° betrug. Diemittlere Temperatur eines normal heissen Sommer-monats ist in diesen centralen Hochlandschaften nichtgrösser als etwa im nordwestlichen Ungarn, und auchin den übrigen Landschaften ist die Durchschnittswärmeder heissen Zeit nicht grösser als etwa in Norditalien.Die Bewölkung ist auch in dieser Jahreszeit nur seltenso gross, um die starke nächtliche Ausstrahlung hindernzu können, und die relative Feuchtigkeit ist selbstwährend mehrtägiger Regenperioden gering genug, umeine lebhafte Verdunstung an der Hautoberfläche zuverursachen, die wiederum zur Abkühlung des Körpersdient. In dieser Beziehung erinnert auch das Innerean die Wüste, und dieselben gesundheitlichen Vorzüge,denen wir in der Namib begegnen, lassen sich auch inder herrlichen Luft des Innern feststellen.

In einer anderen Hinsicht ist dieses Innere freilichbedeutend besser daran als die öden westlichen Land-schaften. Wenn im Frühsommer, also etwa im Oktober,die Südostwinde der kühlen Jahreszeit zeitweilig von

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