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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
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gebiet gehört wie die übrigen Kolonien dem Welt-postverein an. Mit Europa ist es durch eine vonder deutschen Kolonialgesellschaft ins Leben gerufeneund von der Siedlungsgesellschaft übernommeneDampferlinie verbunden, welche ihre Fahrten allezwei Monate ausführt. Die ehemals englische Ver-bindung Walfischbai-Kapstadt ist erfreulicherweise durchden deutschen Dampfer des Lieutenant Troost ab-gelöst, der etwa fünfwöchentlich zwischen Kapstadtund Swakobmund fährt. Die statistischen Tabellenfür die Einfuhr geben in den letzten Jahren einganz unrichtiges Bild von der Entwicklung des all-gemeinen Kulturstandes. Die ungeheure Mehrheit dereingeführten Gegenstände ist direkt oder indirekt fürdie Truppe bestimmt, und es wäre gänzlich verkehrt,aus dem Anwachsen dieser Summen seit dem Jahre1890 auf eine wirkliche wirtschaftliche Hebung derKolonie schliessen zu wollen. Auch die Zahlen fürdie Ausfuhr zeigen, wie ausserordentlich unentwickeltdas Land noch ist, und wie gerade das, was seinengrössten Wert darstellt, vorläufig noch zu einemsehr kleinen Teile an der Masse der ausgeführtenGüter beteiligt ist. In den letzten Jahren hat der Wertdieser Gegenstände eher ab- als zugenommen. Ein be-trächtlicher Teil dieses an sich geringen Wertes (1891über Walfischbai 180000 Mk., 1894 : 107 000 Mk.) entfälltausserdem aufProdukte der Jagd, und das charakteristischeMassenprodukt Südafrikas, Schafwolle, erscheint über-haupt 1894 zuerst in der Liste der über Walfischbai aus-geführten Dinge in einem Gesamtwert von 1200 Mk.Eine wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie wirddaher erst von dem Augenblick an zu verzeichnensein, in dem die auf den Farmen erzeugten Massen-artikel. in steigender Menge zur Ausfuhr gelangen.Selbst der Handel mit Guano, der ja in den nächstenJahren einen hochbewerteten Plxportgegenstand bildenwird, kann an dieser Thatsache nichts ändern; dennerstens erschöpfen sich die Lager in absehbarer Zeit,und ausserdem hat die Kolonie selbst von der Aus-beutung der Guanofelder nur einen äusserst geringenNutzen zu erwarten.

Ebensowenig wie diese Zahlen darf man die hohenSummen des Etats als Beweis für eine wirklich schonjetzt stattfindende Entwicklung des Schutzgebiets an-führen, denn die ungeheure Hauptsumme der Ausgabenfür dieses wird durch den Unterhalt der Truppe undder Beamten, also der gänzlich unproduktiven Stände,verbraucht. Zu diesen unproduktiven Ständen aberkann man mit einer gewissen Berechtigung sogar einengrossen Teil der im Lande ansässigen Händler zählen,da viele von ihnen in ihrer Existenz einzig und alleinwieder auf dem Vorhandensein jener beiden beruhen.Somit ist auch auf diesem Gebiet die unerlässliche Vor-bedingung zur Hebung des Landes die ununterbrocheneFörderung und Begünstigung wirtschaftlicher Unter-

nehmungen.' Dann wird nicht allein der Erfolg nichtausbleiben, sondern das Schutzgebiet wird dann auchbald in die Lage kommen, die Kosten seiner Verwal-tung selbständig aufzubringen.

Klimatologisches.

Ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen demKlima der Küstenlandschaften Südwestafrikas und derGebiete des Innern. Während in diesen die Ver-schiedenheit der Witterungszustände in den meistenFällen nur eine quantitative ist, besteht zwischen demäussersten Westen und den landeinwärts gelegenenSteppenregionen ein durchgreifender qualitativer Unter-schied. Nähern wir uns der Küste, so sind es in ersterLinie der unsichtige Horizont, der nebelumzogeneHimmel und die ausserordentlich hohe Feuchtigkeitder auch in den Mittagsstunden in der Regel kühlenLuft, die uns eher an eine nordische als an eine afrika-nische Küste versetzen. Der hier fast das ganze Jahrhindurch wehende Südwestwind, der in den Nach-mittagsstunden oft zu stürmischer Stärke anwächst, undder nur höchst selten einmal von nördlichen Luft-strömungen oder von einem aus dem Innern kommen-den föhnartigen Winde abgelöst wird, überweht ein fürdiese Breiten ungewöhnlich kaltes Küstenmeer. So be-trägt noch in Walfischbai unter 23 0 s. Br., die mittlereJahrestemperatur nur etwa 16 0 , d. h. sie ist ungefährebenso hoch wie diejenige von Neapel, welches 41 0vom Aequator entfernt ist. Dabei ist aber das Mitteldes wärmsten Monats nicht höher als das des Juli inMitteldeutschland, und das des kühlsten entspricht etwader Ende Mai in Deutschland herrschenden Temperatur.Was die Zeit vom Nachmittag bis zum Morgen so nass-kalt erscheinen lässt, das ist nicht sowohl die Tempera-tur, als der nur in den Mittagsstunden weichende Nebelund die hohe Luftfeuchtigkeit. Diese sind auch dieUrsache des schnellen Röstens aller eisernen undstählernen Gegenstände. Gegen Morgen ist alles vomNebel dermassen durchnässt, dass der Boden feuchterscheint und dass das Wasser von den Dächern tropft;aber dieser Niederschlag dringt nur ganz oberflächlichin den Boden ein. Er vermag keine Pflanze von Be-deutung zu ernähren, und leider ist er fast der einzigeNiederschlag dieser darum gänzlich wüsten Küsten-region. Einen einzigen Vorteil hat dies eigentümlicheKlima; die Landschaften am Meere sind trotz ihrerniedrigen Lage durchaus gesund, und selbst die wirklichfeuchten Strecken an den Ufern der Flussmündungensind nicht gefährlicher für den Europäer als unsere deut-sche Nordseeküste; übrigens entbehrt auch die schwereund trübe Luft der Meeresufer nicht aller Reize. Inden Stunden, in denen das zitternde und fahle Lichtder Sonne auf die weiten Küstenflächen fällt, wird derWanderer durch Luftspiegelungen in Erstaunen gesetzt,

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