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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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bedeutende Rolle, nehmen sogar die erste Stelle unterden Beratern ein. In vielen Dörfern giebt es moham-medanische Schulen; ja selbst einige Hochschulen sindin diesen Gebieten vorhanden. Dass unter solchen Um-ständen die christliche Mission mit ausserordentlichenSchwierigkeiten zu kämpfen haben wird, dürfte nichtzweifelhaft sein.

Noch hat die Togokolonie in diesen Hinterländerneine Begrenzung nicht erhalten. Auch Engländer undFranzosen erheben auf diese Gebiete lebhaft Ansprüche.Ein grosser Schritt vorwärts in der Berechtigung derdeutschen Ansprüche ist durch die Gruner-Carnap’scheExpedition gemacht worden, denn diese hat Protek-toratsverträge abgeschlossen mit den Herrschern vonDagomba, Mangu, Pama, Gurma und Gandu. Neuer-dings ist auch in dem fernen Sansanne Mangu einedeutsche Station gegründet und mit einem Weissen be-setzt worden. Wie aber die Verhandlungen mit denbeiden anderen Mächten ausgehen werden, ist zur Zeitnicht abzusehen: hoffen wir, dass sie einen für die Kolonieund Deutschland günstigen Abschluss finden mögen!

„ Dr. R. Büttner.

Klimatologisches.

Um die klimatischen Eigentümlichkeiten desSchutzgebietes zu verstehen, muss man sich vergegen-wärtigen, dass dieselben im wesentlichen bestimmt werdendurch die Luftdruckverteilung, wie sie jeweilig überNordafrika herrscht. Zur Zeit unseres Sommers trittüber die Sahara eine starke Erwärmung und Auflockerungder Luftmassen ein; der Luftdruck sinkt, und infolge-dessen strömt die Luft von allen Seiten herbei, um dasgestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Im Winterherrscht über dem nördlichen Afrika hoher Luftdruck,der nach dem Aequator zu abnimmt. Der erstere Fallbedingt für unser Schutzgebiet das Vorwalten südlicherbis westlicher, der letztere das von nördlichen bisöstlichen Winden. Längs der Küste macht sich dieserjahreszeitliche Wechsel der vorherrschenden Wind-richtung nicht so bemerkbar wie weiter im Innern,weil der Einfluss der Land- und Seebrise zur Geltungkommt, aber immerhin sind um die Jahresmitte auchan der Küste die SW-Winde am häufigsten undstärksten. Die direkte Folge dieses Wechsels der vor-herrschenden Windrichtung ist, dass der jährliche Gangder Temperatur in Togo an die Verhältnisse der süd-lichen Halbkugel erinnert: d. h. die grösste Wärmeund, nebenbei bemerkt, die grösste Trockenheit und diegeringste Bewölkung tritt ein, wenn im Dezember undJanuar die Sonne am südlichsten steht und nordöstlicheWinde aus dem Innern des warmen und trockenenKontinents heraus wehen, während die kühlsten Monateder Juli und August sind, wenn der südwestliche odersüdliche, den grössten Teil des Jahres vorherrschende,

von dem relativ kühlen Ocean kommende feuchte Windstärkere Bewölkung und Regen bringt.

Obwohl das Innere des Schutzgebietes infolgeder topographischen Gestaltung des Landes zum grossenTeil wesentlich höher liegt als die flache Küstenregion,so macht sich doch nur an sehr hoch gelegenen Punkteneine Abnahme der mittleren Temperatur bemerk-bar; namentlich während der wärmsten Jahreszeit, imJanuar bis März, nimmt die Temperatur immer mehrzu, je weiter man sich von der Küste entfernt. Sowurde die Mitteltemperatur dieser Monate auf derfrüheren Station Bismarckburg, obwohl dieselbe ca. 250 mhöher liegt wie Misahöhe, doch um ca. 1 0 grösser ge-funden, wie an letzterem Punkt; die Temperatur währendder Regenmonate war um den gleichen Betrag kühler,so dass beide Orte trotz ihrer sehr verschiedenenHöhenlage die gleiche mittlere Jahrestemperatur(ca. 23. 7 0 ) haben. Zur heissen Jahreszeit steigt dieTemperatur bei Tage im Innern meist über 30° underreicht oft 35, ja 38—42 0 im Schatten, während siedes Nachts unter 18 0 oder 15°, zuweilen sogar bis auf12° hinabsinkt. Die tägliche Wärmeschwankungist also sehr bedeutend. Im Juli-August liegt die mitt-lere Lufttemperatur 4—5 0 niedriger; die höchste Wärmeerreicht meist nicht mehr 30 °, und nachts sinkt dieselbenicht unter 18 0 hinab. So kommt es denn, dass dieJahresextreme meist in denselben Monat, auf Januaroder Februar, fallen.

Der Regen fall ist, wie in den meisten Tropen-gegenden überhaupt, so auch in Togo das veränder-lichste und regelloseste meteorologische Element. ImInnern des Landes kann man von einer regenreichenund regenarmen Jahreszeit sprechen, von denen dieerstere von März bis etwa Mitte November dauert, dieletztere den Rest des Jahres einnimmt. März undNovember sind Uebergangsmonate, welche bald mehrzur feuchten, bald mehr zur trockenen Jahreszeit ihremWitterungscharakter nach neigen. Zur schärferenKennzeichnung lässt sich die nasse Jahreszeit in dreiPerioden zerlegen: von März bis Juni dauert die ersteRegenzeit, im Juli und August tritt durchschnittlicheine Verminderung der Regenmenge und der Regen-tage ein, und dann folgt die zweite Regenzeit bis inden November hinein.

Von einer grossen und kleinen Regenzeit kann mannicht sprechen, da beide Regenzeiten im Mittel wohlgleichwertig sein dürften. Grosse Unregelmässigkeitenund Abweichungen von dieser allgemeinen Regel sindaber nichts allzu Seltenes. So fielen in dem sehr nassenJahr 1893 gerade im Juli und August im Innern vonTogo allgemein sehr grosse Regenmengen, so dassdiese Monate die feuchtesten des ganzen Jahres waren.Die Menge des jährlichen Niederschlages ist dahereine sehr wechselnde und schwankende. In nassenJahren fällt ' das Doppelte und Dreifache von dem in

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