trockenen Jahren. Man wird im Innern je nach Lageund Jahrgang auf eine jährliche Regenmenge von1200 — 2500 mm rechnen können. Je weiter man imSchutzgebiet nach Norden sich begiebt, desto grösserscheint der Prozentsatz des jährlichen Regenfalles zuwerden, welcher auf Juli-August entfällt, d. h. destogleichmässiger scheint derselbe sich auf die Zeit März-November zu verteilen.
Gewitter sind im Innern sehr häufig; man wirdauf 150—200 Gewittertage rechnen können. Kein Monatist in der Regel gewitterfrei, höchstens der Juli inseltenen Pallen; die gewitterreichsten Monate sindMärz-Mai und September-Oktober.
Die eigentümlichste Erscheinung im klimatischenBild unseres Schutzgebietes, welche ihm die Einförmig-keit nimmt, indem sie rasche und sehr starke Wechselin Bezug auf Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit ver-anlasst, ist der Harmattan. Unter dieser Bezeichnungversteht man einen aus nördlicher bis östlicher Richtungkommenden, zuweilen mit rasch wechselnder Stärkewehenden, von einer ausserordentlichen Trockenheitder Luft begleiteten Wind, während dessen Herrschaftdie Atmosphäre nach Art unseres Höhenrauches starkdunstig und die Lufttemperatur namentlich um dieMittagszeit wärmer ist wie an Harmattanfreien Tagen.Die Erscheinung macht sich in der Zeit von EndeOktober bis März geltend und scheint im Februar amhäufigsten zu sein; sie tritt meist nicht an einem ver-einzelten Tage auf, sondern umfasst Gruppen von3— 6 und mehr Tagen, doch ist es sehr selten, dassder Wind Tag und Nacht weht. Gewöhnlich erhebt ersich erst in den Morgenstunden, erreicht gegen Mittagseine grösste Stärke und lullt dann bis gegen Abendallmählich ein. In manchen Jahren ist er auch auffallendviel häufiger als in anderen. Das Kältegefühl, welchesnamentlich die wenig bekleideten Eingeborenen beiHarmattanwetter empfinden, weshalb dasselbe auch beiihnen so gefürchtet ist, beruht augenscheinlich auf dergrossen Trockenheit des Windes, welche eine starkeVerdunstung auf der Haut und damit eine physiologischunangenehm empfundene Abkühlung derselben erzeugt.Der Harmattan hat seinen Ursprung, in der Sahara, dervon dort mitgeführte feine Staub wird noch vermehrtdurch den Rauch und die feinen Aschenreste der um dieseJahreszeit häufigen ausgedehnten Savannenbrände, so dassdie Sonne als rötliche Scheibe an dem dunstig verschleier-ten, an sich meist wolkenlosen Himmel steht und fastkeinen Schatten wirft. Die Trockenheit der Luft ist sogross, dass Bücherdeckel sich krümmen, gefugte Holz-
gegenstände klaffende Risse erhalten, die Haut derLippen aufspringt und schmerzt und der Erdboden stein-hart wird u. s. w. In den Küstengebieten von Togo machtsich der Harmattan erheblich seltener bemerkbar wie imInnern, wo er nach Norden an Häufigkeit wesentlichzunimmt.
Die küstennahen Regionen des Schutzgebieteszeigen aber auch nach anderen Richtungen von denendes Binnenlandes abweichende klimatische Verhältnisse.
Unter dem Einfluss des Meeres ist die Temperaturan der Küste gemässigter, die Extreme sind geringer,die heissen Monate November bis März weisen nichtso hohe Wärmegrade wie im Innern auf. Die jährlicheRegenverteilung ist aber eine ganz andere wie im Innern.Sie zeigt eine ausgesprochene Doppelperiode mit einemHauptmaximum im Mai oder Juni und einem geringerenim Oktober und dazwischen zwei nahezu gleich scharfausgeprägte Minima im Januar und August. Diesemerkwürdige Erscheinung, dass an der ganzen Gold-und Sklavenküste von Accra bis nach Lagos hin einezweite Trockenzeit im Juli-August eintritt, die sichweiter östlich und westlich und auch im Binnenlandnicht zeigt, hat wahrscheinlich ihren Grund in demAuftreten von kaltem Meereswasser an diesem Teil derGuineaküste zu dieser Jahreszeit, wodurch dieselbevorübergehend zu einer sogenannten Kaltwasserküstewird, wie die von Südwestafrika, Peru etc. und damitdie Haupteigenschaft solcher Küsten, grossen Regen-mangel, zeitweilig annimmt. Diese Trockenzeit ist die1 Iauptursache, dass die Togoküste im Jahresdurchschnitterheblich trockener und damit auch unfruchtbarer istwie das Hinterland und die weiter entfernte untergleicher Breite gelegene Elfenbeinküste und das Niger-mündungsgebiet. An der Togoküste fallen durchschnitt-lich nur 600—700 mm Regen im Jahr, also kaum mehr wiein Deutschland. Die Zahl der Gewitter ist an derKüste eine sehr viel geringere wie im Innern; auf dasJahr kommen höchstens 30—50 Gewittertage. Währendim Innern fast keine gewitterfreien Monate bestehen,sind an der Küste Juli und August fast absolut ge-witterfrei.
Für die Europäer ist die heisse Jahreszeit vonMitte Dezember bis Februar gesundheitlich die günstigste,in welcher Malariaerkrankungen fast gar nicht Vor-kommen. Am häufigsten sind letztere von Mitte Aprilbis in den Juli hinein und dann oft auch im November,also nach dem Aufhören der grossen und kleinenRegenzeit.
Dr. v. Danckelman.