dieser dem neutralen Gebiet benachbarten Gegend dasdeutsche Ansehen zu befestigen. Als sich dann infolgedes durch die Kämpfe mit Yendi herbeigeführten Nieder-ganges von Salaga der Marktverkehr dieses bedeuten-den Handelsplatzes nach Kete zog, da hielt man denZeitpunkt zur Gründung der neuen Station für geeignet.Sie ist mit einem Offizier und 25 schwarzen Soldatenbesetzt und steht über Misahöhe mit der Küste in Ver-bindung, von wo sie in 12 Tagen erreicht werden kann.
Um den Handel aus dem Hinterlande noch besserder deutschen Kiiste zuzuleiten, hat die Regierung dieRegulierung der von Kratschi über Kpandu und Misa-höhe nach Lome führenden Karawanenstrasse betrieben,ja man hat den Plan ernsthaft ins Auge gefasst, zwischenKpandu am Volta und Lome eine Eisenbahn zu bauen.
Wir wenden uns jetzt zu dem nördlich des Ge-birges gelegenen Gebiet. Freilich sind unsere Kennt-nisse darüber sehr lückenhaft und beschränken sicheigentlich auf die Routen der Reisenden. Von diesenRouten sind in erster Reihe diejenigen des Hauptmannsv. Frangois, des in Dabari in Barbar gestorbenenStabsarztes Dr. Wolf, des Hauptmanns Kling und derDr. Grüner und v. Carnap’schen Expedition zu erwähnen.Auch in diesen weiten Gebieten ist die Steppe dieherrschende Vegetationsform, wenn sich auch die Ele-mente der eingestreuten Gesträuch- und Baumflora, be-sonders nach Norden, geändert haben. Neben Affen-brotbäumen und Fächerpalmen treten hier Dumpalmen,Tamarinden, Akazien und Schibutterbäume ein.
Das Klima wird als relativ gesund angegeben.Fieber kommen selten vor und sind dann durch ört-liche Verhältnisse bedingt.
Einzelne der Länder sind zweifellos fruchtbar, soBanjaue, Dagomba und Tschautscho, andere dürftig, wieGrussi und Muschi; besser wieder sind Sugu und Barbar.Der Ackerbau wird lebhaft betrieben. Man trifft aufgrosse, fast unabsehbare Flächen, die in sorgfältigsterWeise mit Yams, Erdnüssen und Hirse bestellt sind.Die Reiskultur, schon stellenweise im Gebirge betrieben,ist hier von Bedeutung. Recht bemerkenswert ist dieViehzucht. Alle diese Landschaften haben grosse Herdenvon Hornvieh, kleinere, manchmal auch im Vorderlandeanzutreffende braune Rinder, aber auch grössere Buckel-rinder. Schafe und Ziegen kommen hier in mehrerenRassen vor. Wichtig ist auch die besonders inTschautschobetriebene Zucht der Esel und Pferde. Man hat vonletzteren zwei Rassen: eine grössere, die den Be-herrschern dieser Gebiete als Kriegs- und Prunkrossedient, und eine ponyartige, von welch letzterer einigePlxemplare bis zur Küste hinunterkommen. In demgebirgigen Terrain von Bismarckburg haben sich diekleinen Pferde, die den norwegischen und isländischensehr ähnlich sind, vorzüglich bewährt. Auch Hundeund Katzen sind in diesen Landschaften häufig; unterdem reichlich vorhandenen Federvieh seien besonders
die Perlhühner erwähnt. Hier dürfte übrigens derUrsprung der Domestikation dieser Hühnerart zu suchensein; denn neben den zahmen giebt es zahlreiche wilde.Das Schwein dagegen ist nördlich des Gebirges selteneranzutreffen, eineFolge des mohammedanischen Einflusses.Auch die Industrie wird in manchen Gegenden lebhaftbetrieben; vor allem aber haben sich hier grosseldandelscentren ausgebildet. Dahin strömen dann Ver-treter der Völker des gesamten Nigerbeckens und derganzen Guineaküste zusammen. Karawanen — oft ausmehreren hundert Menschen bestehend — kommen undgehen; Esel, Pferde und Rindvieh, Gold und Sklavenwerden hier gegen Kolanüsse, Gewehre und Pulver,Schnaps und Salz gehandelt. Der Verkehr aber aufden Marktplätzen selbst ist ein ausserordentlicher; nebenden zahlreichen Verkäufern von Lebensmitteln habensich ganze Reihen von Handwerkern etabliert, die ihremGewerbe obliegen: Schlächter und Köche, Schmiedeund Schuhmacher, Schneider und Weber, Barbiere undWasserverkäufer sind hier immer arbeitend oder han-delnd anzutreffen.
Einige dieser Landschaften sind als grössere po-litische Gebiete — Sultanate — zu betrachten. DieMacht der Herrscher ist manchmal eine bedeutende,militärisch wohl begründete, oft halten sie eine grössereZahl von Berittenen. Einige von ihnen benutzen dieseMacht zu Raub und Plünderung und Sklavenfang inden Nachbargebieten. So haben auch mehrere derReisenden lebhaften Widerstand gefunden, der sie zurUmkehr nötigte; andere wieder haben weite Gebieteohne grössere Schwierigkeiten durchmessen können.Die Mannigfaltigkeit der Sprachen ist eine grosse,doch auch hier ist die Tschisprache, vor allem aberdie Haussasprache, das Verständigungsmittel. DieseLänder sind heidnisch, doch machen sich zahlreichemohammedanische Einflüsse geltend, und zwar sinddie Haussa die Träger derselben. Gerade die Häupt-linge und Angesehenen geben diesen Einflüssen ammeisten nach, neben der weiten Haussagewandunghaben sie I'es und Turban angenommen. Man begriisstauch wohl die Sonne bei Auf- und Untergang, feiertden mohammedanischen Sonntag und das Ramadanfest.Man trägt Fetische in Amulettform, von den Priesternmit Koranspriichen beschrieben, schmückt die Häuser mitStrausseneiern, hat den erhöhten Stuhlsitz der Neger auf-gegeben, um auf der Erde zu hocken. Das Schweine-fleisch ist verpönt; in Bezug auf den Genuss desSchnapses freilich ist man stellenweise noch ziemlich heid-nisch geblieben. In allen Dörfern giebt es Limame, mo-hammedanische Gemeindevorsteher, die, mit den durch-reisenden Karawanen angekommen, bei ihren zeitweiligoder dauernd unter den Heiden ansässig gewordenenLandsleuten verweilen und gar bald auf die ein-geborene Bevölkerung Einfluss gewinnen. Bisweilenspielen sie neben den eingeborenen Häuptlingen eine
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