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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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und ein Schiessstand vorhanden. Etwas anders zwarsehen unsere dortigen Soldaten aus; sie tragen gelbeDrellanziige mit kurzen Beinkleidern, eine rote Schärpe,ein rotes Fes und — keine Stiefel. Das Kommandoin der Truppe ist natürlich deutsch. — Neuerdings gehtman ernsthaft mit dem Plan um, die Landeshauptmann-schaft nach Lome zu verlegen.

Es erübrigt noch (immer abgesehen von denMissionen mit ihren Predigtplätzen und Schulen), umin der Aufzählung der kulturellen Schöpfungen voll-ständig zu sein, die Erwähnung der Regierungsschulein Klein-Popo, wo ein deutscher Lehrer mit einemschwarzen Gehilfen wirkt. Der Unterricht wird in dreiKlassen erteilt, und zwar gebraucht die unterste der-selben eine Fibel, die in dem in Klein-Popo gesprochenenGe-Dialekt der Ewesprache geschrieben ist. In derobersten Abteilung wird Lesen, Schreiben und Gram-matik in Deutsch und Ewe, Naturkunde, Rechnen,Biblische Geschichte, Singen und Turnen gelehrt.

Endlich sei das neu errichtete schöne Kranken-haus in Klein-Popo genannt, das unter der Kontrolledes Regierungsarztes steht und mit einigen weissenPflegeschwestern von dem Deutschen Frauenverein fürKrankenpflege in den Kolonien besetzt ist. DiesesKrankenhaus für die Weissen, sowie eine Kranken-baracke für die Eingeborenen haben sich bereits inerfolgreicher Weise bewährt.

Damit verlassen wir die Küste, um uns durch dieFlachlandschaft zum Gebirge zu wenden. Wir wählenentweder einen Weg unfern der Ostgrenze des Gebietes,der von Klein-Popo mit Benutzung der Lagune bis Woin etwa fünf Tagereisen zwischen Do Koffi und Atakpamezum Fuss des Gebirges führt — dies ist der früher vonuns benutzte Weg nach Bismarckburg —, oder wirgehen von Lome aus auf der von der Regierung ver-besserten und zum Teil neu angelegten Karawanenstrassenach Norden. Diese Strasse ersteigt ebenfalls nachfünf Tagereisen das Gebirge bei Misahöhe, um sich dannüber dasselbe in die Voltaniederung nach Kete-Kratschizu ziehen.

Dieses Gebirge stellt den erhöhten Südrand derHochebene des Westsudan vor und fällt sowohl nachSüden zur Ktisten-Flachlandschaft wie nach Norden zurSudan-Hochebene ziemlich steil ab. Es streicht inmehreren Ketten von NO nach SW, im Bismarck-burger Gebiet ebenfalls in mehreren Ketten von Nnach S. Seine höchsten Erhebungen sind im süd-lichen Teil Amedschovhe mit 760 m, der Gemmibergmit 800 m; im N liegt Bismarckburg, 710 m, Pereu,750 m; die benachbarten Berge erreichen hier gewiss900 m. Nackte Felskuppen treten an manchen Stellenauf, im allgemeinen aber ist dieses bisweilen wild zer-rissene Hügelland von Laterit oder Humus überzogen.Auch hier hat die Vegetation den Charakter der Steppein ihren Modifikationen von der kurzhalmigen reinen

Grasflur bis zum geschlossenen Buschwald. Die Bach-ufer sind zuweilen von hochstämmigem Wald gesäumtund bieten wundervolle Vegetationsbilder, die nichtahnen lassen, dass die Breite dieser Wälder kaumeinige hundert Meter erreicht. Diese Bach-Busch-bestände des Gebirgslandes sind die Fundstellen derKautschuldianen.

Das Klima ist zweifellos ein gesünderes als dasder Flachlandschaft, eine Folge der Höhen- undgünstigeren meteorologischen Verhältnisse. Das Trink-wasser ist im allgemeinen gut, denn die Bäche undFlüsse des Hügellandes trocknen nicht aus. DemCharakter der Landschaft entsprechend ist die Be-völkerung vielleicht weniger friedfertig und gutmütigals in der Ebene, auch weniger zu Lust und Spielgeneigt. Ackerbau und Viehzucht treten mehr zurück;dagegen findet man stellenweise eine wohlentwickelteEisenindustrie, die sich auf den zahlreich vorkommendenBrauneisenstein gründet. Die Jägerei wird bisweilenernsthaft betrieben; man jagt auf Elefanten, Büffel,Antilopen, Affen und allerlei Kleinwild. In diesem Ge-birgsland findet man gewiss ein Dutzend verschiedener,je eine Landschaft einnehmender Sprachen. Wievielkleinere Sprachinseln ausserdem vorhanden sind, istvorläufig noch gar nicht abzusehen. Auch die Ewehaben noch am südlichen Teil dieses Gebietes Anteil. DerVerkehr zwischen diesen verschiedensprachigen Land-schaften ist öfter ein geringer; die Wege sind manch-mal auf Jahre geschlossen, wie auch langdauerndeFehden nicht selten sind, die freilich im allgemeinenziemlich unblutig verlaufen und hauptsächlich im Fort-fangen von Vieh, Sklaven, Weibern und Kindern ihrenVerlauf nehmen. Die Bewohner dieser Gebirgsland-schaft sind die Fetischgläubigen par excellence. Geradedie Bismarckburger Gegend enthält Fetischplätze erstenRanges, so Dipongo und besonders Pereu, wo derheilige Hain des Gottes Najo sich befindet und dieHauptpriesterin Nunu wohnt, deren Einfluss weit überdie Grenzen von Adeli reicht. Natürlich werden dieserFetischglaube sowie die Vielsprachigkeit des Gebietesder Mission grosse Schwierigkeiten bereiten. Nebenden Bremer Missionaren arbeiten in diesem Gebirgs-lande die Baseler; wie jene die Ewesprache, so habendiese vorzüglich die Tschisprache studiert und in der-selben eine reichhaltige Litteratur geschaffen. Siewerden auch das Tschi als Unterrichtssprache in diesemGebiet verwenden, da dasselbe als weitverbreiteteHandels- und Verkehrssprache hier vielfach verstandenund gesprochen wird.

Wir haben noch einige Worte über die Nieder-lassungen der Regierung in diesen Landschaften zu sagen.

Bismarckburg hat als Forschungsstation fünf Jahrebestanden, und die wissenschaftlichen Ergebnisse dieserGründung sind namhafte gewesen. Das Land ist sorg-fältig aufgenommen, die botanischen, zoologischen,

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