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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
Seite
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Die Bevölkerung — abgesehen von dem durch dieBestrebungen der Mission dem Christentum zugeführtenTeil derselben — huldigt dem Fetischdienst. DieFetische, oft Nachbildungen der menschlichen Gestalt,sind zahlreich und mannigfaltig. Man hat neben vielenanderen Dorf- und Hausfetische, persönliche und un-persönliche, solche für und wider den Zauber.

Da die Missionsverhältnisse des Togolandes ananderer Stelle dieses Buches behandelt werden, so er-übrigt darauf einzugehen; doch kann ich hier nichtumhin, auf das grosse Verdienst der Norddeutschen(Bremer) Missionare für das Studium der Ewesprachehinzuweisen, in welcher sie eine grosse lexikographische,biblische und Schullitteratur geschaffen haben.

Auch die Behandlung der meteorologischen undklimatischen Verhältnisse entfällt dem Rahmen dieserAbhandlung, doch will ich erwähnen, dass trotz der inder Regenzeit fallenden Feuchtigkeitsmenge in dertrockenen Jahreszeit das Wasser in den Flüssen undBächen dieser F'lachlandschaft sich fast ganz verliert.Dann sind die Eingeborenen angewiesen auf das Wasser,welches sie während der Regenzeit in grossen Lehm-gefässen aufgefangen haben, oder welches in Löchernund Senkungen des Bodens stehen geblieben ist.Dieses lehmfarbene, faulig riechende und schmeckendeWasser ist eine hässliche Beigabe dieser Landschaft.

Was nun die Krankheiten des Küstenlandes an-betrifft, so ist an allererster Stelle die Malaria zu nennen.Fast oder gar niemand unter den Europäern wird vondem Fieber verschont, besonders zu Anfang und dannwieder am Ende der Regenzeit häufen sich die Fällebedenklich, wobei gewiss die dann grössere Feuchtig-keit des Bodens und wechselnde Temperaturen vonEinfluss sind. Einigemal sind förmliche Malariaepidemienbeobachtet worden, welche sich sogar bis auf die Mann-schaft der auf der Reede liegenden Dampfer erstreckte.Die Formen der Malaria sind mannigfach genug;neben den einfachen, unseren Wechselfiebern ähn-lichen intermittierenden Fiebern giebt es remittierendeund kontinuierliche, dann auch pernieiöse, von denendas nicht allzu seltene Schwarzwasserfieber recht ge-fürchtet wird. Neben den häufigen Milzschwellungenund Erscheinungen der Anämie giebt es dann nocheine ganze Reihe von Komplikationen und Folge-erscheinungen, von denen Leber-, Darm- und Lungen-erkrankungen , Nierenentzündungen, Hornhautentzün-dungen, Neuralgien und Neurasthenien erwähnt seien.Wenn nun auch die Sterblichkeit bisher nicht über-mässig gewesen ist, so kann doch nicht verhehltwerden, dass durch die ärztliche Behandlung — inKlein-Popo ist ein Regierungsarzt stationiert — unddas rechtzeitige Fortsenden der Kranken und Rekon-valeszenten in die Heimat oder auf Seefahrten öfterdie schlimmsten Folgen vermieden worden sind. Zu-dem sind die meisten der in der Kolonie stationierten

.Europäer junge und kräftige Leute, leben auch in ver-hältnismässig günstigen Wohnungs- und Ernährungs-verhältnissen. Manches hat sich in dieser Beziehungdurch die Fürsorge des mit langjähriger Tropen-Erfah-rung ausgerüsteten Arztes geändert, der für die Ver-besserung der gesundheitlichen Verhältnisse das Haupt-gewicht auf die luftige, möglichst von Sumpf und Laguneentfernte Wohnung, auf gutes Trinkwasser, Reinlich-keit auf den Strassen legt, nicht zum mindesten aberauf eine verständige, Excesse möglichst vermeidendeLebensführung der Europäer.

Neben der Malaria treten andere Krankheiten voll-ständig zurück. Die Ruhr ist zwar nicht ganz selten,doch zumeist handelt es sich um Fälle, in denen gegendie elementaren P'orderungen der Hygiene gesündigtworden ist. Ausser Krankheiten der Luftwege sindferner solche der Haut zahlreich genug; aber auch vonEpidemien ist die Kolonie nicht frei geblieben. Nebendem schon erwähnten epidemischen Auftreten der Ma-laria müssen die Influenza und der Keuchhusten angeführtwerden. Die Pocken dürften in Togo auf absehbareZeit nicht ganz erlöschen; schon mehrmals haben sieseit einem Jahrzehnt arg unter den Plingeborenen ge-wütet. Der Arzt in Klein-Popo nimmt öffentlicheImpfungen vor; Europäer, die geimpft sind, haben bis-her kaum unter den Pocken zu leiden gehabt. SonstigeErkrankungen der Eingeborenen sind häufige äusserlicheLeiden, tiefgehende und fressende Geschwüre, Aus-schläge, vernachlässigte Wunden. Augenerkrankungensind gar nicht selten, aber auch die Venerie ist ver-breitet und hat nach der Ansicht des Arztes durch dieinfolge des Krieges der Franzosen gegen Dahomeyzahlreich zur Küste gekommenen schwarzen und weissenSoldaten zugenommen.

Ich will schliesslich aus den ärztlichen Berichtenerwähnen, dass ein wohl bisweilen angenommener Anta-gonismus zwischen Malaria und Tuberkulose nicht be-steht. An der Togokiiste erkranken sowohl die Ein-geborenen — und zwar häufig — wie auch die Europäeran Tuberkulose; ja der Arzt musste einige der letzterenin die Heimat senden, weil die Krankheit in demfeuchten Tropenklima schnellere Fortschritte machteals in der gemässigten Zone.

Ehe wir die Flachlandschaft verlassen, haben wir nocheinen Blick zu werfen auf das am nördlichen LagunenuferKlein-Popo gegenüber gelegene Sebbe. Hier wohnender oberste Vertreter der Regierung, der Landeshaupt-mann und die anderen Beamten der Civilvenvaltung,sowie der Offizier und die Unteroffiziere der Polizei-truppe in einigen hübsch und praktisch gebauten, vonAnlagen umgebenen Tropenhäusern. Hier ist auch diejetzt etwa 150 Mann starke Polizeitruppe kaserniert,die in der Mehrzahl aus Haussas, im übrigen aus denVertretern der verschiedensten Landschaften sich zu-sammensetzt. Für die Truppe ist ein Exerzierplatz