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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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ihn bestrafen möge, wenn er falsches Zeugnis geredethabe. Von sonstigen Gegenständen, welche dieseMission ausgestellt hatte, seien noch hervorgehoben:eine Puppe Malli und Mall, eine Missgeburt darstellendaus Kamerun; ferner eine Sklavenpeitsche und einmerkwürdiges eisernes Gebiss, welches als »Sklaven-zügel« bezeichnet war.

Die Ausstellung von Büchern, welche die BaselerMission herausgegeben hat, war äusserst reichhaltig.Besonders überraschte die Reichhaltigkeit der Litteratur,die in Sprachen der Westküste Afrikas auslag. Dafanden sich: eine Geschichte der Goldküste und desAschantilandes, in englischer Sprache vom schwarzenPastor Reindorf verfasst; Lexika der Asante-, Fante-und Tschisprachen, zwei Grammatiken der letztge-nannten Sprachen, Fibeln, Lesebücher, Gesangbücher,biblische Geschichten, Katechismen, ja sogar die ganzeBibel; auch »Bunyans Pilgerreise« in Tschi war vor-handen. Dass die Baseler Missionare aber auch all-gemeines Wissen in ihren Schulen lehren, zeigten eineWeltgeschichte, ein Lehrbuch der Rechenkunst undeine Zeitschrift. In der Sprache der Dualla waren vor-handen: die schon ältere Grammatik und das Wörter-buch dieser Sprache von Saker, daneben ChristallersLehrbuch der Duallasprache und das von demselbenVerfasser herrührende Lehrbuch der deutschen Sprache;von Baseler Missionaren verfasst sind bis jetzt indieser Sprache: Fibel, Gesangbuch, das EvangeliumMatthäi und eine mit wirklich guten bildlichen Dar-stellungen gezierte Biblische Geschichte. In der Issubu-sprache lagen aus: ein Wörterbuch von Merrick, dasEvangelium Matthäi und die Genesis. Die Litteratur,welche über das Baseler Missionswerk Auskunft giebtin Gestalt von Zeitschriften (Heidenbote, BaselerMissionsmagazine), Büchern und Büchlein, war voll-ständig vorhanden; über sie giebt der »Führer durchdie Baseler Missionslitteratur« von E. Dipper vollständigAuskunft; erwähnt sei nur die Broschüre »Forschungs-reisen von Baseler Missionaren«.

Im Togogebiet arbeitet neben der Baseler Gesell-schaft die Norddeutsche Missionsgesellschaft'’'),welche ihren Sitz in Bremen hat. Ihre letzte Jahres-einnahme belief sich auf 143 053 Mk. Sie unterhält inWestafrika 16 Missionare, von denen 6 verheiratet sind.Ein Teil dieser Arbeiter steht im englischen Togogebietund hat ca. 1500 Heidenchristen in ihren Gemeindengesammelt. Auf der Ausstellung war ihre Arbeit ver-anschaulicht durch zwei gute Wandkarten, deren einedas Küstengebiet und die andere das im Innern ge-legene Missionsgebiet darstellte, sowie einen Situations-plan von der Station Ho. Besonders dankenswert wardie Ausstellung eines hübschen Reliefs, welches dieStation Amedschovhe därstellte, sowie das sehr sauber

*) Norddeutsche Missionsgesellschaft. Bremen, Ellhornstrasse 26,Inspektor Fr. M. Zahn.

in Afrika ausgeführte grosse Modell des dort errichtetenimposanten Missionshauses. Die Anlage solcher Haupt-station in Westafrika kostet zwischen 70- und 80 000 Mk.und ist das Werk mancher Jahre. Wie weit es einigeder auf dieser Station gesammelten Eingeborenen inFertigkeit gebracht haben, bewiesen die ausgezeichnetenTischlerarbeiten aus einheimischem Mahagoni- undOdumholz, die in Gestalt dreier Tischchen, Cigarren-und Knäulbechern und anderem ausgestellt waren. Vonausliegenden Büchern und Schriften verdienen vorallen zwei grosse Wörterbücher, Evhe-Deutsch-Englischin zwei Bänden von Missionar Kniisli, Beachtung;ausserdem waren vorhanden: Uebungen in der Evhe-sprache, Evlie-Lesebticher, das Neue Testament undsieben alttestamentliche Bücher. Besonders interessantwaren Photographien von acht Evhezöglingen, welchein Westheim in Württemberg unter Leitung des PfarrersBünder ihre Ausbildung erhalten. Von jedem dieserSchwarzen lag eine von ihm selbst verfasste Lebens-beschreibung aus, und zwar in der ursprünglichen,nicht verbesserten Gestalt, wie sie unter Klausur ge-schrieben wurde. Zwei junge Leute, die erst imAugust 1895 ohne ein Wort Deutsch zu können, nachWestheim kamen, konnten im April 1896 ihre Lebens-geschichte mit guter Handschrift in verständlichemDeutsch niederschreiben: ein beachtenswertes Zeugnisfür die sprachliche Begabung der Afrikaner.

Neben diesen deutschen Gesellschaften arbeitet ander Westküste bei Gross-Batanga die Mission derAmerikanischen Presbyterianer*). Erst 1889wurde hier von ihnen ein europäischer Missionar ange-stellt; seine Gemeinde zählt hier an der Küste circa500 Glieder. Im Jahre 1892 wurde weiter im Innerndie zweite Station und im Jahre 1894 noch weiterostwärts die Station Ebolowue angelegt; letztere liegt20 deutsche Meilen von der Küste entfernt. GuteBilder veranschaulichten Land und Leute sowie dashübsche Missionshaus, welches die Mission in Batangaerrichtet hat. Eine Gruppe von sechs europäischenMissionaren zeigte, dass die Arbeit mit Nachdruck be-trieben werden soll; auch zeigten die Bilder vonKirchen, eingeborenen Christen und Lehrern, dassdiese Arbeit bis dahin keineswegs vergeblich war.Von den Missionaren dieser amerikanischen Gesellschaftsind in der Bulesprache, die um Batanga gesprochenwird, ein Lesebuch und die vier Evangelien heraus-gegeben. Neben diesen war die grosse Litteratur zurAusstellung gelangt, welche in der Bengasprache, dievon Batanga südwärts an der Küste gesprochen wird,veröffentlicht worden ist. Da waren vorhanden: einWörterbuch Benga-Englisch und Englisch-Benga, wieauch eine Grammatik, biblische Geschichtenbücher,das Neue Testament, die Genesis und die Psalmen,

*) Board of Foreign Mission of Ihe Presbyterian Churcli ofU. S. 52 Fifth Avenue, New York.