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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
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Bunyans »Pilgerreise«, Katechismen, Lesebiiclicr undLiederbuch; selbst kleine Lehrbücher der Weltgeschichteund der Rechenkunst sind in dieser Sprache abgefasst.So hat die Ausstellung aufs neue bestätigt, dass dieseamerikanische Mission in geordneter, fleissiger undnüchterner Weise ihre Arbeit mit Erfolg betreibt. Wirheissen deshalb ihre Mitarbeit an der Hebung der ein-geborenen Bevölkerung unserer Kamerunkolonie herzlichwillkommen.

Auch die wichtige Arbeit, welche die RheinischeMissionsgesellschaft*) in Südwestafrika betreibt,war auf der Ausstellung vertreten. Diese Gesellschafthat in Barmen ihren Sitz und unterhält mit einem Auf-wand von ca. 1 /a Million Mark über ioo Missionare inChina, Sumatra, Neu-Guinea und dem genannten afrika-nischen Lande. Im Jahre 1842 überschritten dierheinischen Missionare vom Kapland aus den Oranje-fluss und drangen sofort bis in das Plereroland vor.14 Jahre lang mussten sie warten, bis der Erstlingaus diesem Volke getauft werden konnte. Die Namawaren dem Christentum zugänglicher, doch waren beiihnen Rückfälle in heidnisches Leben häufig; dennochhat das Christentum Schritt für Schritt Boden ge-wonnen. Ein Netz von 20 Missionsstationen, die mit24 Missionaren besetzt sind, ist über das ganze Landausgedehnt. Aus den Nama sind etwa 5500 Seelenund aus den Herero etwa 4000 zu christlichen Ge-meinden gesammelt worden. 800 Namakinder besuchendie Schulen, wie auch einige hundert Hererokinder.Trotz der Armut, unter der besonders die Namaleiden, haben diese Gemeinden doch 11 000 Mk. fin-den Unterhalt ihrer Kirchen und Schulen aufgebracht.Drei Missionare stehen sogar unter dem Volk derOwambo an der deutsch-portugiesischen Grenze. Auchin dieser entlegenen Gegend sind bereits Bücher in derVolksspruche gedruckt, und ist eine kleine Gemeindegesammelt. Die rheinische Missionsarbeit in diesenLändern steht als ein Denkmal weltüberwindendenGlaubens und fleissigster, mühevoller Arbeit vor unserenAugen; von den verschiedensten Seiten ist dies auchin gebührender Weise anerkannt worden. So sagtRochus Schmidt im zweiten Bande seines Werkes»Deutschlands Kolonien«, Seite 286: »Von den rheini-schen Missionaren ist in Südwestafrika Grossartiges ge-leistet worden«, und der Premierlieutenant A. v. Frangoisschreibt in seinem 1895 erschienenen Buche Folgendes:»Ohne die Pionierarbeit der Missionare wäre die Besitz-ergreifung des Landes ein völlig illusorischer Akt aufdem Papier gewesen; was Händler, Industrielle undGelehrte, zumal Holländer und Engländer, zur soge-nannten Erforschung und Kultivierung gethan haben,fällt gar nicht ins Gewicht neben den positiven Er-gebnissen der Missionsarbeit. Und diese Arbeit will

*) Rheinische Missionsgesellschaft. Härmen, Rudolfstrasse 129.Inspektoren: l)r. A. Schreiber und I’. Spiecker.

um so mehr bedeuten, als alle egoistischen Motive, dieden Händler oder P'orscher immer beseelen werden,die schliesslich auch dem Kriegsmann nicht abge-sprochen werden können, bei diesen Männern fort-fallen.«

Auf der Ausstellung zeigte eine Wandkarte die Lagealler Hauptstationen, und eine Auswahl von Photo-graphien veranschaulichte Land, Leute und Leben. Alsethnographisches Curiosum seien Ahnenstäbe der Hereroerwähnt, die gerade deshalb von Anthropologen beachtetwurden, weil sie völlig unbearbeitet waren. Das guteModell eines Ochsenwagens führte das Verkehrsmittelvor die Augen, welches gerade in Südwestafrika eineso grosse Bedeutung hat. Besonders wichtig war dieAusstellung der Litteratur des Landes. Die Herero- undNamasprache sind ausschliesslich durch die Müherheinischer Missionare zu Schriftsprachen gemachtworden. Schon im Jahre 1857 gab Missionar Hahndie erste Grammatik und das erste Wörterbuch derHererosprache heraus. Später folgten ein WörterbuchEnglisch-Herero und das grosse Herero-Wörterbuch vonBrinker. Von anderen Büchern lagen aus: drei Lese-bücher, das Neue Testament, die Psalmen und vier ver-schiedene biblische Geschichtenbiicher, verschiedeneGesangbücher und Katechismen, wie auch Bunyans»Pilgerreise«. Besonders beachtenswert waren die in derHottentottensprache verfassten Bücher. Erstaunlich sindFleiss und Ausdauer, deren es bedurfte, dieses wunder-liche Idiom mit seinen vielen Schnalzlauten zur Schrift-sprache zu machen. Sehr interessant ist das NeueTestament in dieser Sprache, welches der alte MissionarSchmelen aus dem Munde seiner Frau, die eine Namawar, niedergeschrieben hat, ohne dass er selbst dieSprache wirklich kannte, und ohne dass — leider — dieverschiedenen Schnalzlaute in systematischerWeise durchZeichen wiedergegeben worden wären, lvrst im Jahre1857 erschien die erste Formenlehre der Namasprachevon Missionsinspektor Wallmann bei Herz in Berlin.Dann ist es dem Fleisse des Missions-SuperintendentenKroenlein gelungen, den Bau der Sprache zu erforschen;von ihm lagen vor: sein grosses Wörterbuch des Khoi-Khoin (Namasprache), ein kleines Gesangbuch, dasNeue Testament und die Calwer-Biblische Geschichte;von anderen Missionaren noch ein Lesebuch, Gesang-buch und der Katechismus Luthers. Von der Finni-schen Missionsgesellschaft, welche im nördlichstenTeil unseres Schutzgebietes drei Stationen mit dreiMissionaren unterhält, war die Ausstellung nicht be-schickt worden.

Auch die Arbeiten der evangelischen Missionsarbeitauf Neu-Guinea und dem Bismarck-Archipel waren auf derAusstellung vertreten. Dieselbe Rheinische Missions-gesellschaft, von deren ausgedehnter Wirksamkeit inSüdwestafrika wir soeben berichtet haben, hat sich derschwierigen Aufgabe unterzogen, in Kaiser Wilhelms-

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