nach Berlin zu verlegen, wo sich bereits eine neuekoloniale Vereinigung, die Gesellschaft für deutscheKolonisation, befand. Dieselbe war den Wünscheneiner Anzahl Kolonialfreunde entsprungen, die kolonialeBewegung so bald als möglich zu Thaten überzuleiten,und hatte sich am 28. März 1884 konstituiert. DieseGesellschaft für deutsche Kolonisation war in höheremGrade ein Aktionsverein als der Kolonialverein, obwohlman sich über das Ziel noch nicht im klaren war, bisdas Augenmerk auf Ostafrika gerichtet wurde. Währendsich naturgemäss die Anstrengungen der Gesellschaftfür deutsche Kolonisation auf die Entwicklung Ost-afrikas und die Propaganda dafür richteten, verfolgtein dieser Zeit der Kolonialverein seine umfassendereAufgabe, die Fragen der Auswanderung zu studierenund Auswanderern durch die Errichtung eines Aus-kunftsbureaus mit Rat beizustehen, die VerhältnisseBrasiliens zu untersuchen, die Bestrebungen Flegels imNiger- und Benuegebiet zu unterstützen, die Erwerbungenin Witu durchzuführen und überall fördernd einzugreifen,wo es not that. Da die Bestrebungen der beidenVereine aber mehr und mehr parallel zu laufen be-gannen, wie sich besonders aus den von beiden Ver-einen erlassenen Petitionen für Herstellung und Sub-vention einer nach Ostafrika einzurichtenden Dampfer-linie ergab, so wurde im Herbst 1887 eine Ver-schmelzung durchgeführt, und die neue Vereinigungnahm die Bezeichnung »Deutsche Kolonialgesellschaft«an. Das Arbeitsprogramm der Gesellschaft geht ausfolgenden Sätzen hervor:
Die Deutsche Kolonialgesellschaft verfolgt denZweck:
a) die nationale Arbeit der deutschen Kolonisationzuzuwenden und die Erkenntnis der Notwendigkeitderselben in weitere Kreise zu tragen;
b) die praktische Lösung kolonialer Fragen zufördern;
c) deutsch - nationale Kolonisations - Unternehmungenanzuregen und zu unterstützen oder durch that-kräftiges Vorgehen selbst in Angriff zu nehmen;
d) auf die geeignete Lösung der mit der deutschenAuswanderung zusammenhängenden Fragen hinzu-wirken ;
e) den wirtschaftlichen und geistigen Zusammenhangder Deutschen im Auslande mit dem Vaterlandezu erhalten und zu kräftigen;
f) für alle auf diese Ziele gerichteten, in unseremVaterlande getrennt auftretenden Bestrebungeneinen Mittelpunkt zu bilden.
Unter dem Präsidium des Fürsten Hermann zuHohenlohe-Langenburg nahm die Gesellschaft, welchevon da aus die Führung in kolonialen Dingen hatte,langsam an Mitgliederzahl zu, obwohl, wie dies beiallen freien Vereinigungen der Fall ist, die Zusammen-setzung hin und wieder wechselte. Auch ist es natürlich,
dass je nach Bedürfnis der eine oder andere Programm-punkt stärker betont wurde. Es lag in der Natur derSache, dass die Bestrebungen der Gesellschaft sich inden nächsten Jahren fast ausschliesslich mit den deut-schen Kolonien beschäftigten, deren Ifntwicklung daserste Bedürfnis und die praktische Arbeit der Gesell-schaft gegenüber der theoretischen mehr in den Vorder-grund trat. Diese praktische Arbeit, welche zum Teilschöne Resultate erzielte, mit der mehr agitatorischenund belehrenden harmonisch zu verbinden, war auchferner das mit grossem Eifer verfolgte Bestreben derGesellschaft.
Ihre ganze Organisation ist darauf zugeschnitten;an der Spitze stehen Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg, Statthalter von Elsass-Lothringen, alsEhrenpräsident und Se. Hoheit der Herzog JohannAlbrecht zu Mecklenburg, seit dem Frühjahr 1895,als Präsident. Weitere Organe der Gesellschaft sindder Vorstand, der Ausschuss und die Hauptversammlung.Der Vorstand stellt den Voranschlag der Einnahmen undAusgaben fest und hat über die Verwendung von Gc-sellschaftsmitteln zu beschliessen, soweit dies nicht demAusschuss überlassen ist. Die Erledigung der laufendenGeschäfte besorgt der Ausschuss, während die Ge-samtheit der Mitglieder die Hauptversammlung bildet.
Präsidium.
Ehren-Präsident.
P'iirst zu Hohenlohe-Langenburg, Kaiserl. Statt-halter in Elsass-Lothringen.
Präsident.
Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg.
Zweiter Präsident.
Simon, Geh. Regierungsrat.
Stellvertretende Präsidenten,von Hofmann, Staatsminister.
Graf von Arnim-Muskau, Reichstagsabgeordneter.Prinz von Arenberg, Mitglied des Reichs- undPreussischen Landtages.
Vorstand.
Ausschuss in Berlin,von Ammon, S., Geh. Bergrat.von Beck, Direktor der Neu-Guinea-Compagnie.von Bornhaupt, Chr., Generalsekretär,von Buchka, Dr., Reichstagsabgeordneter.
Douglas, Sholto, Bergwerksbesitzer.
Ebert, Dr. Professor, Königl. Landesgeologe.
Graf von Goetzen, A., Gesandtschafts-Attache.Hammacher, Dr. jur., Reichstagsabgeordneter.Herzog, K., Dr. jur., Wirkl. Geh. Rat, Staatssekretära D.von der Heydt, K., Bankier.
Kraetke, Geh. Ober-Postrat.
Lucas, A., Königl. Kommerzienrat.Schroeder-Poggelow, Dr., Rittergutsbesitzer.