205
163 .
Die alle Schatten, alle Wesen häuft
Und mit dem schwarzen Grabestuch umwindet,
Dem auch nicht eins der Erdendiuch entläuft,
Und in dem jedes als Phantom entschwindet;
Die Wolke sinkt — was glühend uns oerbindct,
Ja selbst der Rühm wird nebelhaft umwoben,
Daß kaum ein düstrer Mvndeshof sich findet,
Der aus der Finsterniß sich matt erhoben,
Ein trübrer Schein als Nacht, — er lenkt den Blick von oben
166 .
Zum tiefen Abgrund nieder, um zu sehn,
Was aus uns wird, zerfällt einst dies Gebein,
Ob dann wir leben in viel ärgern Wehn,
Und um zu träumen von des Ruhmes Schein,
Von Staub den citeln Namen zu befrei»,
Der bald verhallt — O Seligkeit! Wir werdenNicht wiederum, was jetzt wir mußten sein!
Genug ist, einmal tragen die BeschwerdenDes Herzens, das als Schweiß nur Blut geschwitzt auf Erden!
167 .
Horch! eine schauerliche Stimme tönt
Dumpf murmelnd, tief und langsam aus dem Schlunde,
Wie wenn ein blutend Volk vor Schmerzen stöhntOb einer schwere» unheilbaren Wunde.
Durch Nacht und Sturm gähnt's aus gcspaltnem Grunde!.—Es starrt der Golf von Geistern! — KöniglichRagt dort ein Weib, ob kronlos auch zur Stunde:
Voll Muttcrharm, bleich, lieblich zeigt sic sich,
Ein Kind im Arm, für das des Busens Nahrung wich.