II.
Dir Mhlilllgsrpochr in den Urkunden Ottos I.
Sobald inan mehrere Urkunden Ottos beisammen hatte und sie vergleichendzu überblicken im Stande war, lag der Versuch nahe, aus ihren chronologischenDaten einen Rückschluß auf den Zeitpunkt zu machen, von welchem man dieRegierungsjahre zu zählen begonnen habe. Auf diesem Wege schien es möglich,den Tag seiner Krönung, des Regierungsantrittes und eine gesicherte chrono-logische Grundlage zu gewinnen. Diesen Versuch hat bereits Leibniz gemacht(Xon. imp. II, 449). Indem er sich auf die beiden Urkunden vom 30 Junis. r. 1 und 8. Aug. rr. r. 2, 937 (8t. 07 u. 69) stützte, kam er zu der Ansicht,Otto müsse Ende Juli oder Anfangs August gekrönt worden sein. Zu einemähnlichen Ergebnis gelangte Bessel (Ostronio. Oottnle. p. 188). Giorgi (La-ronii Xnn. sadsoiast. sck. Llansi XVI, 4) berief sich ans 17. Dec. 945 s, r. 10und 2. Mai 949 (8t. 125. 163) und schloß daraus, mit Hinzuziehung desTodesdatums Heinrichs 1., ebenfalls auf den Juli. Mansi (Xck Union. XVI,6 an. 1) meinte annehmen zu können, Otto habe schon vor des Vaters Todes-tage seine Regierung zu zählen angefangcn, etwa von der Designation an: ermachte dafür geltend die Urk. 2. Juni 946 a. r. 11 wohl 8t. 176, dann 8t. 28829. Mai 961 a. r. 26, das Datum des Jngelheimer Concils 7. Juni 948a. r. 13, 8t. 163, 2. Mai 949 s. r. 13 und 8t. 401 23. April 966. Baudisin der Uebersetzung von Mnratoris Annalen (V, 409 N. u) wollte auf den1. September schließen nach 8t. 50: v. Leutsch (Markqr. Gero S. 20 Anm.)hielt den Juli fest, Dobner (IlaZsIr ann. Loiism. iV, 6) kam auf die erstenTage des August. Vehse (Kaiser Otto der Große S. 70.332) bestimmte dies näher aufden 8. desselben Monats, Böhmers gewichtige Autorität entschied sich mit derFülle der Regesten (p. 5) für diese Ansicht. Giesebrecht (Kaiserzeit I, 243) hatsie angenommen und endlich Stumpf (Die Reichskanzler S. 8) noch näher ein-gehend die Krönung aus Sonntag den 7. August 936 festgestellt.
In der That scheint kaum ein günstigerer Erfolg erwartet werden zu können,wenn bereits die gründlichste Forschung ein Material von mehr als 400 Ur-kunden dafür durchgearbeitet hat. Dennoch wird sich eine Einzeluntersuchungwie die gegenwärtige kaum der Aufgabe entziehen dürfen, diese Frage noch einmaliu's Auge zu fassen. Denn die Verwendung der Urkunden gerade für diesenZweck ist mit den erheblichsten Bedenken verbunden.' Die Unsicherheit derDatierung vornehmlich Ottonischer Urkunden ist anerkannt. Die Widersprüchein den Zeitangaben einzelner wie ganzer Gruppen sind mitunter so groß, daßeine Ausgleichung fast unmöglich erscheint. Mit der Benutzung jedes neuenDiploms werden neue Fehler in die Rechnung hiueingezogen, und ihre regel-mäßige Wiederkehr kann auf den Gedanken führen, den bereits Leibniz u. A.ausgesprochen haben (a. a. O., Zinkernagel Handbuch für Archivare S. 319),eine einheitliche Epoche sei überhaupt nicht befolgt worden.