Kirchliches Leben und Klosterreform.
549
in der Schulzeit eine durchaus kirchliche war, schlugen andre seinerAmtsgenossen, die anfänglich fester in den Banden der Welt gelegenhatten, später dennoch eine ähnliche ein, z. B. Adalbero von Metz,Gauzlin von Toul, und erwarben sich ebenfalls hohen Ruhm. DieHerstellung des kirchlichen Lebens aus der Verwilderung durch Gebotund Beispiel ist das Ziel aller dieser Männer, denn ihre Frömmig-keit hat nichts krankhaft Ueberspanntes, Ungesundes. Erst unterOtto HI. geräth die religiöse Schwärmerei auf Abwege. Bei dieserErneuerung standen den Bischöfen als Gehilfen und Werkzeuge, bis-weilen aber auch als Mahner und Treiber, eifrige Aebte zur Seite, wieEginold und Johannes von Gorze, welch letzterer selbst den Chalifenvon Spanien durch die entschlossene, todesmutige Zuversicht seinesGlaubens hohe Achtung abnöthigte?) Im Vergleiche mit diesen ehr-würdigen Säulen der deutschen Kirche erscheinen uns ihre italienischenAmtsbrüder, wenn es gleich unter ihnen einen Atto von Vercelli gab,als ebenso verweltlicht, wie verweichlicht, nur auf äußeren Prunk undsinnlichen Lebensgenuß bedacht?) geistig entwickelter aber auch ent-arteter. Daher stehen weder die Sünden des päpstlichen Stuhles nochdie Verwahrlosung des Klosters Farfa vereinzelt da, und die Heilungsolcher Gebrechen mußte von außen kommen durch deutsche Herrschaftund burgundische Klosterzucht.
Weltlicher Sinn und fleischliches Streben sowohl in der Priester-schaft als in der Klostergeistlichkeit setzte sich aber auch auf deutschemBoden den Bemühungen der strenger Gesinnten vielfach feindlich entgegenund hemmte ihr Wirken?) Bei der Herstellung der alten Benedictiner-regel mußten fast überall die unverbesserlichen Anhänger des früherenZustandes aus den Klöstern mehr oder minder gewaltsam ausgetriebenwerden, und es fehlte nicht an den heftigsten Auftritten. Zeugnisdafür gibt das aus St. Evre bei Toul stammende Gedicht die „Flucht
Vits. lobann. Om- 2 . o.133: 17t i^itnr lobsnnes eorain sävonit,mannm intsrns osenlsnänin protsnäit ste.
2) Vgl. namentlich die beredte Schilderung Rathers krasloguior. I. V(p. 142 sc>c>. sää. Ilallsrini), welche Vogel (Ratherius v. Verona S. 43—48)verdeutscht und erläutert hat. Liudprand's durchaus weltliche und der Sinnlich-keit stark zuneigende Sinnesweise ist ebenfalls bezeichnend, sowie die Klagen Aktesvon Vercelli (oben S. 418). In Benevent suchte man Ausschweifungen imVoraus vorznbeugen: diune vsro in Lsosvsnto gnoseungus elsrivos tsesrsäispouunt, pstsr st inatsr in inbantia attsrnnt tsstieulos st viäsntur ssinpsriuvsnss ssss, nsgns guo esnssesrs ineipinnt (Obrist. Orntbinari sxpos.in blattb. o. 62, Lidl. patr. Ounäun. IX, 1414). Vgl. Gezo von Tortonao. 60. 6l (Nurstori ^.nseäota IÜ, 207>.
2) Volgnini Oartular. 8itb. p. 144 sä. Onsrsrä. Von den aus St.Arnulf wegen ihres schlechten Wandels vertriebenen Kanonikern berichtet Adalberoin einer Urk. vom 15. Merz 842 Msurisss Hist, äss ävssguss äs Nst 2306): (jnaproptsr tnroris stiinulo vslnti äs patsrnis rsääitibus aeosnsiguiäsrn sornin aäisrnnt rsAsra ssniorsin nostrum seil. Ottonsni, vsns.nisupsr boo Aarrisntss äselsmationsw, quoä iniusts propriuin abstnlisssmst vslnti basrsäitarinni loonm. Lnmcjns nt SAsrani prsststo ssniori totuminäieasssni, iliorum üoeeipsnäsns intsntionsrn nt sapisns st instus rsx,ns in rsligtunin guasriinoniis inibi äso tsmuisntinin inolsstarsntnr invi-äornrn, tune st ipss gnoä ksesrsrn eonkirwg.vit ste. Vgl- oben S. 115.