Druckschrift 
Kaiser Otto der Große
Entstehung
Seite
543
Einzelbild herunterladen
 

Die deutsche und italienische Kanzlei.

543

gleich seinen Vorgängern seit König Zwentibalds Zeiten ErzbischofRodbert von Trier, Ottos mütterlicher Oheim, ein Mann von regemwissenschaftlichem Interesse, der Kanzlei vor/) daneben aber, wie esauch unter Zwentibald schon vorgekommen, der Kölner ErzbischofWigfrid/) Mit dem Tode Rodberts, oder vielmehr schon bei feinenLebzeiten, erlosch die Erzkanzlerwürde der Trierer Metropoliten, Kölndagegen behauptete durch die Nachfolge Bruns seine Stellung in er-weitertem Maße.

Der Mainzer Erzbischof begegnet uns als Erzkanzler zuerst inden späteren Jahren Ludwigs des Deutschen?) ohne Unterbrechungaber erst seit Heinrich I. Auf Hildebert folgte daher in gleicher Eigen-schaft Friedrich, Wilhelm, Hatto, Rodbert, doch erst seit dem TodeBrunos von Köln vereinigten diese in ihrer Hand die Leitung derKanzlei für ganz Deutschland, die Wilhelm vorher ohne Beschränkungauf gewisse Gebiete mit ihm getheilt hatte. Erst seit dem Jahre 965ist also die ausschließliche Erzkanzlerwürde des Mainzers zur Regelgeworden.

Getrennt von der deutschen blieb die italienische Kanzlei, welcherseit der wirklichen Besitzergreifung des Landes zuerst der Bischof Widovon Modena und, nachdem dieser sich untreu erwiesen, Hubert vonParma Vorstand?) Während die letzteren beiden eine einflußreicheStellung bei dem Kaiser eingenommen zu haben scheinen, der freilichfür die italienischen Dinge sich zugleich des Rathes deutscher Bischöfe wieAdaldags, Lantwards von Minden, Theoderichs von Metz bediente,gilt das kaum in gleichem Maße von den deutschen Erzkanzlern.Stand doch Friedrich zu wiederholten Malen in feindlichem Gegen-

fl Ratbod von Trier war Erzkanzler für Lothringen unter Zwentibald,Ludwig dem Kinde, Karl dem Einfältigen; nach ihm Rotgar unter Karl undHeinrich und desgl. Rodbert bis 953 (gest. 958), s. 8t. 62. 75. 88. 96. 142.144. 145. 159. 161163. 165. 175-177. 182. 185. 222. 532. Nach Watten-bach (Deutschlands Geschichtsqu. I, 297) widmete Flodoard sein großes Gedichtüber die Thaten Christi und der Heiligen dem Erzbischof Rotbert, allein nachBrower (Xnu. Trsvir. I, 451), der sich auf eine Trierer Handschrift beruft,galt jene Widmung vielmehr dem Erzbischöfe Ruotger (gest. 930), doch sehe ichfreilich nicht ein, wie sich damit die Verse auf Leo. (seit 935, s. ebd. x.452) zusamenreimcn lassen.

Z Wigfrid findet sich nur in 8t. 99. 186. 187, also als vereinzelte Aus-nahme. lieber Hermann von Köln als Erzcaplan Zwentibalds s. meine Gesch.des ostfränk. Reiches 11, 469 A. 30.

°) Seit dem 25. Sept. 870, s. ebd. I, 875, II, 165. 294. 615; WaitzHeinrich S- 211. Ungenau und in Bezug auf Hatto von Mainz geradezu irr-thümlich sind die Bemerkungen von Lorenz «Reichskanzler u. Reichskanzlei inDeutschland in den preuß. Jahrbüchern XXIX, 478481).

Wido von Modena wirkt als Erzkanzler vom 20. April 962 bis 3. Jan.965 (8t. 307346), Hubert von Parma 2. Dec. 966 bis zum Ende der Regie-rung Ottos (8t. 414530), sowie unter Otto II. vom 6. Oct. 968 bis 12. Febr.980 (8t. 453759). Schon vor Otto begegnen uns beide in der KanzleiBerengars und Adalberts: Wido als Erzkanzler vom 9. Sept. 952 bis 30. Mai961 (llosbiusr 14341441), Hubert als Kanzler vom 17. Jan. bis 26. Sept.951. vom 13. Jan. 958 bis 80. Mat 961 (Loobmor 14301433, 14371441;Losbmsr ^otu 814) und als Erzkanzler in einer Urk. Adalberts allein vom28. Febr. 961 (Forsch. XV, 368370).