Print 
Kaiser Otto der Große
Place and Date of Creation
Page
433
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

Graf Wichmann bei Selibur.

433

Gerade hier erreichte ihn die Botschaft von dem Untergange seinesVetters Wichmann. Den Anlaß dazu hatte ein alter Zwiespalt zwischenden beiden Slavensürsten Selibur und Mistaw gegeben, von denenjener über die Wagrier, dieser über die Abodriten gesetzt, von ihrenVätern her mit einander haderten?) Ihre gegenseitigen Beschwerdenvor dem Herzoge Hermann von Sachsen führten endlich zu einerVerurtheilung Seliburs, dem eine Geldstrafe von 15 Pfund Silbersauferlegt wurde. Dieser griff wegen des vermeintlich erlittenen Un-rechts zu den Waffen und bat Wichmann durch seinen Boten umsffilfe. Nichts Angenehmeres konnte diesem begegnen, als eine Ge-legenheit, an dem Oheim Rache zu nehmen. Mit seinem Gefolge zoger daher eilends den Slaveu zu, kaum aber war er von Selibur in seineFeste ausgenommen worden, so wurde diese von dem Sachsenherzogeeingeschlossen. Mit einigen Begleitern verließ er die Stadt bald wiederunter dem Vorgeben, daß er von den Dünen Hilfe holen wolle. AusMangel an Lebensmitteln und an Futter sahen sich die Belagertenschon nach wenigen Tagen zur Ergebung genöthigt. Diese ungenügendeVorsorge bei einem Manne, der wie Selibur von Jugend auf an denKrieg gewöhnt war, erregte Verdacht, als ob es nicht mit rechtenDingen zugegangen sei, ja man traute dem Herzoge zu, daß er selbstdie Wagrier zu einer nur scheinbaren Erhebung angestiftet habe, umseinen Neffen dadurch in das Garn zu locken. Dieser war ihm freilichdoch entgangen, aber die Besatzung der slavischen Feste ergab sich aufGnade und Ungnade. Als der Herzog den Fürsten Selibur wegenfeines Abfalles hart anließ, erwiederte dieser:Was beschuldigst dumich der Treulosigkeit? Siche, dort stehen die durch meine Treu-losigkeit wehrlos da, die weder du, noch dein Herr, der Kaiser, be-siegen konnte." Hermann vernahm dies schweigend, entzog demSlaven zwar seine Herrschaft, aber nur um sie seinem Sohne zuübertragen, den er als Geisel bei sich gehabt hatte. Die zurück-gebliebenen Gefährten Wichmanns dagegen bestrafte er auf verschiedeneArt. Die Beute des Ortes wurde den Truppen überlassen; das eherneBild einer slavischen Gottheit, welche man mit Saturn verglich, er-regte das Staunen des Kriegsvolkes?)

Nach dem Verluste der Genossen begab sich Wichmann nach demOsten unter die Heiden und suchte den Stamm der Wilinen, der zuden Redariern zahlte, zum Kriege gegen den Polenherzog Miesko,seinen alten Feind, aufzureizen?) Dieser, von der drohenden Gefahr

ff 'Wiänlrinü. III e. 08: 8s1idur praesrat >Vaari8, iVIiotav ^bäritis;vorher äuo sndraAuIi genannt. Vgl. über die Sitze dieser Völker ^.clnm. OsstaRawmrrdurg. sool. pont. II o. 18.

ff Ebd.: oimulaoro 8aturni 6x asrs luso, guoä ibi inter alia urbisr-polin rspperit, muAnum spsotaanlum xopulo prasbuit. Vgl. über dieslavischen Götterbilder L. Giesebrecht Wendische Geschichten I, 65 und unter dender Zeit nach Höherstehenden Zeugnissen Ibistmari Odron. VI o. 17. 18.

ff ^Viäukinä. III o. 69: acl orisntsoa vsrsus itsruin ss xsZunis in-insrsir etzitgus oum Llavis gui äiountnr Vuloini. Da die von ihnen er-littene Niederlage in e. 70 den Redariern zugeschrieben wird, so müssen sie einTheil von diesen gewesen sein. Man darf daher nicht mit Dönniges (S. I34>

Jahrb. d. deutschen Gesch. Tümmler, Otto der Große. 28