Z52 Vergebliche Ladungen an den Papst 963.
dazu nicht ausreicht. Wisset also, daß ihr nicht von wenigen, nein,von allen Geistlichen wie Weltlichen angeklagt seid des Mordes, desMeineids, des Kirchenfrevels, der Unzucht mit Verwandten und mitzwei Schwestern. Man sagt, was entsetzlich zu hören ist, daß ihrauf das Wohl des Teufels getrunken und beim Würfelspiele dieHilfe heidnischer Götter angerufen habt. Deshalb bitten wir euchdringend, ihr wöget nach Rom kommen und euch von allen! diesemreinigen. Wenn ihr etwa die Gewalt der verwegenen Menge fürchtet,so versichern wir euch eidlich, daß nichts gegen die Bestimmung derheiligen Kirchengesetze geschehen soll. Gegeben den 6. November."Kurz und bündig erwiederte darauf der Papst: „Johann, Bischof,Knecht der Knechte Gottes allen Bischöfen. Wir haben sagen hören,daß ihr einen andern Papst setzen wollt. Wenn ihr das thut, soexcommuniciere ich euch kraft des allmächtigen Gottes, so daß ihrkeine Erlaubnis habt, Jemand zu weihen und die Messe zu feiern.")
Dieser Brief wurde in der Synode verlesen, zu welcher sich nochals spätere Ankömmlinge Erzbischof Heinrich von Triers und dieBischöfe Wido von Modena, Gezo von Tortona und Sigulf vonPiacenza eingefunden hatten. Auf ihren Rath wurde am 22. Novembernochmals an den Papst geschrieben. Sein kindisches und unüberlegtesSchreiben wurde als ganz ungenügend zurückgewiesen. Wolle er zurSynode kommen und sich rechtfertigen, so dürfe er auf ihren Gehorsamzählen, erscheine er aber nicht, so würden sie, da kein gewichtigerGrund ihn fernhielte, seine Excommunication geringschätzen und sievielmehr, wie sie vollauf berechtigt wären, auf ihn selbst zurückfallenlassen. Auch Judas, der Verräther, habe die Gewalt zu binden undzu lösen nur so lange gehabt, als er gut war unter seinen Mit-jüngern, sobald er zum Mörder geworden, habe er sie verwirkt, undNiemand mehr außer sich selbst binden können. Als zwei Cardinälesich mit diesem Briefe zum Papste aufmachten, der sich in dem be-nachbarten Tivoli aufhielt?) fanden sie ihn nicht vor, denn er warmit dem Köcher auf die Jagd hinausgezogen, unverrichteter Dingekehrten sie also zur Synode zurück, die zum dritten Male zusammen-getreten war.
Diesmal trat der Kaiser selbst als Ankläger auf, nachdemer bisher noch erwartet hatte, seine Vorwürfe an den, Papstunmittelbar richten zu können. Er erinnerte die Versammlungdaran, wie derselbe ihn aus Sachsen gegen Berengar und Adalbert
y Vgl. Rloclorrrcli rum. 965: gnia äs inrsliAiositats sorripisdaturrevsrti noients; Oontin. lispln. 963: iiio tarnen Iros omnimociis rsnusnts.
2 ) Ott. o. 14: rrävsuernnt, czui prius clsknsrant rsiiAiosi, aIwtlra-rin^ia llsiurious l'rsversnsis arslnspiseopuo stc. Ihn erwähnt auch der Oont.Rexin. 963, Osr-ta Trovsror. s. 29: Tü'nit Romas sum Ottons in ckam-nsncko mriK'um, non pgpam lodannsm. Am 17. April und 18. Mai 963verweilte Heinrich noch in Trier, s. Beyer Mittelrh. Urkb. I, 271—272.
Rist. Ott. e. 15: Oni anm Nidsrim pörvsnisoent. Kiesebrecht(Kaiserzeit I, 833) hat dies mit Recht auf einen Ort, nicht auf den Flußbezogen.