Vorladung des Papstes vor die Synode. 351
auf die Jagd gegangen sei und sich mit Harnisch, Helm und Schwertwaffne. Seinen Taufpathen Benedikt habe er blenden lassen, so daßdieser bald darauf gestorben sei, den Cardinalsnbdiakonen Johanndagegen nach der Entmannung getödtet und Feuersbrünste angelegt.Daß er auf des Teufels Minne Wein getrunken, bezeugten alle, ebensodaß er beim Würfelspiele Jupiter, Venus und andre heidnische Gott-heiten um Beistand angerufen?) Endlich habe er die Metten undkanonischen Horen nicht gehalten, noch sich mit dem Kreuze bezeichnet.
Der Kaiser, weil die Römer sein Sächsisch nicht verstanden^) befahldarauf dem beider Sprachen mächtigen Bischöfe Liudprand, den Römern inlateinischer Rede zu erklären: er wisse aus Erfahrung, daß hochgestellteLeute gar oft der Verleumdung durch niedere preisgegeben seien, daherbeschwöre er sie bei dem allwissenden Gotte, der Jungfrau Maria unddem kostbaren Leibe des Apostelfürsten, in dessen Kirche dies verhandeltwerde, keine Schmach auf den Papst zu werfen, die er nicht wirklich ver-schuldet und für die nicht die bewährtesten Männer Zeugnis gäben.Da versicherten die Anwesenden fast wie ein Mann: Wenn nicht Johannalles, was der Diakon Benedikt vorgelesen, und noch ärgere Schand-thaten begangen Hütte, so möge sie der Apostelfürst nicht von denBanden ihrer Sünden befreien, sondern sie am jüngsten Tage ewigerVerdammnis anheimfallen. Für die Thatsache, daß der Papstwider die Kirchengesetze Waffen getragen, beriefen sie sich auf dasZeugnis des Heeres, das ihn so vor fünf Tagen noch jenseit derTiber erblickt habe. Otto bestätigte dies, und so wurde auf Beschlußder Synode der Papst zur Verantwortung vorgeladen.
Das an ihn gerichtete Schreiben lautete: „Dem höchsten Bischöfeund allgemeinen Papste Herrn Johann sendet Otto von Gottes Gna-den Kaiser, nebst den Bischöfen Liguriens, Tusciens, Sachsens undFrankens den Gruß im Herrn. Als wir zum Dienste Gottes nachRom kommend eure Söhne, nämlich die römischen Bischöfe undCardinäle, zudem das ganze Volk um eure Abwesenheit befragten,was der Grund wäre, daß ihr uns, den Verteidiger eurer Kirche undeurer selbst, uicht hättet sehen wollen, so brachten sie solcherlei undso Unsauberes gegen euch vor, daß, wenn es Schauspielern nachgeredetwürde, es uns Scham einflößen müßte?) Damit es aber eurerHoheit nicht verborgen bleibe, so wollen wir einiges in aller Kürzeerwähnen, weil, obschon wir alles anzuführen wünschen, uns ein Tag
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2 - Vgl. über das Fortleben des Hcidenthums meinen Anselm den Peripa-tetiker S. 8.
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