Flucht Berengars und Willas. HZ
zum Herzoge Hermann, während seine Gemahlin Willa, die sich viel-leicht am Hofe anfgehalten, trotz ihrer Schwangerschaft mitten imWinter zu 'Fuße' über den Bernardin oder Vogelberg, wie er damalshieß, einen schon den Römern bekannten Paß, die gleiche Richtungverfolgen mußte.
So trat die entscheidende Wendung ein, daß die Gegner Hugos, einesdem deutschen Reiche bisher befreundeten Fürsten, auf deutschem Bödenvor seiner Tyrannei eine Zuflucht suchten. Herzog Hermann führte,wahrscheinlich im Jahre 941 oder 949?) den Verbannten zu KönigOtto, der ihn ehrenvoll empfieng, reich beschenkte und ihm seinen Schutzverhieß. Berengar leistete ihm sogar die Huldigung?) Das Gesuch Hugosum Auslieferung des Flüchtigen, das er mit dem Versprechen großerGeschenke begleitete, wurde daher abgclehnt. Otto erklärte, daß ernicht den Sturz Hugos, sondern nur Versöhnung der beiden Gegnerwünsche, daß es aber eine widersinnige Zumutung sei, wenn man vonihm Zurückweisung eines' Schutzflehenden verlange. Er begnügte sichin der Folgezeit, Berengar zwar zu schützen, ihm jedoch keinen un-mittelbaren Beistand zu gewahren, Wozu die jährlichen Geschenke Hugosdas ihrige beigetragen haben mögen?) In beständiger Besorgnis voreinem feindlichen Einfalle begieng der König von Italien einen Frevelgegen die Christenheit, indem er sich zur Sicherung seiner Grenzendes Beistandes der Muhammedaner bediente. Allerdings folgte erhiebei nur dem Beispiele, welches neunzig Jahre früher die Herzogevon Benevent und Salerno bereits gegeben hatten.
Seit dem Jahre 888 ungefähr hatten nämlich spanische Sara-cenen, durch die hadernden Großen der Provence selbst herbeigeruf'en,eine Räüberkolonie zu la Garde- Frontet im Schutze der Wälder derMontagnes des Maures begründet, die sich in den nächsten Jahr-zehnten, von der Unsicherheit der allgemeinen Zustände begünstigt,allen benachbarten Landschaften in immer weiterem Umkreise furchtbarmachte?) lieber ven Mont Cenis drangen sie bald nach der reichenAbtei Novalese, vor, deren Mönche in Turin eine Zuflucht fanden,nach Acqui in Picinon?) und ebenso in die anstoßenden burguudischen
*) Nach Liudprands Darstellung folgte die Flucht Berengars aus den Stur;Anskaxs und auf eine erste Sendung nach Constantinopcl wegen der Saraccucn,die zweite Gesandtschaft dagegen, die sein Stiefvater sicher im I. 941 dorthinunternahm (e. 14. Ich vgl.'Krug Chronologie der Byzantier S. I8t) scheint erspäter zu setzen, wie er auch ausdrücklich den Angriff aus Fraxinetnm, der nachFlodoard 942 stqttsand, später ansetzt.
?1 VVickukinck. I!I II: licet olim LuAOnsm kuAions rexi subckerotur(se. Ijornlmrius). Hrotsvilh iOostn Ocläonis v. 675: erwähnt ebenso wieLiudppand nur die Unterstützung, die er bei Otto fand. Vgl. Maurenbrechcr inSybejs Zeitschrift V, 152 und gegen ihn Giescbrecht Deutsche Kaiserzeit I, 82l.
?) Innckpr. -4ut. V o. 18: rex Otto, cum nonnnllis inpeckitno rvbns,tun» (zuotirnnrs sl> Ilugone roAk munsribus inmensis ckslinitus, LsronAnrioeopirrs prnsstare non posset. Er denkt also an einen mehrjährigen AufenthaltBerengars in Deutschland.
,.?) Vgl. meine Gesch. des Ostfränk. Reiches II, 318.
t Irronio. dlovnlie. II o. 2. 3, IV e. 22—26: ckevastatn i?rovinein^relntsnsi, LuvANnckia, Oimslla. totam guogus Oallinm 8uds.lpinnm snnAuineet ineenckio suvinerserunt eto. c. 30, V o. 1. 9. 18: Ilockem tsinpore, gnoJalirb. d. deutschen Gesch. — Tümmler, Otto der Große. z