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Hermann, Führer der Sachsen.
wollen für die Misgunst und Feindschaft, durch welche er sich in Wirk-lichkeit Bahn brechen mußte, aber freilich, indem sie seinen Ursprungin dieser Weise verherrlichte, hat-sie ihn zugleich verdunkelt. DasSachsenvolk des elften Jahrhunderts, das in seinem Herzogsgeschlechteden Vorkämpfer der eigenen Freiheit sah, machte den StammvaterHermann zu einem armen, aber freien Manne, zu einem Sieben-hüfner, der durch Thätigkeit und Treue das Vertrauen des Königsgewinnt, von Stufe zu Stufe emporsteigt, endlich das Herzogthumerwirbt und durch strenge Gerechtigkeit ein Vorbild für viele wird.Ueber seine persönlichen und volksthümlichen Eigenschaften vergaß dieSage, daß er einem der edelsten Geschlechter entsprossen, daß er nichtallein mit andern Fürsten, sondern mit dem herrschenden Königs-hause selbst verschwägert war, daß nicht sieben Hufen, sonderngroße Güter und Würden das Erbe der Seinen war. Sie hat ihmden Namen Biling beilegt, ob mit Recht, ist sehr zweifelhaft. DieBilinger waren ursprünglich ein altes und edles fränkisches Geschlecht,dem die Ahnfrau des Königshauses, Liudolfs Gemahlin Oda, ange-hörte, und als sein damaliger Vertreter muß Ottos und HermannsZeitgenosse, der Graf Biling, gelten, der in den südlichen GauenThüringens reich begütert erscheint. Daß eben dieser Hermanns Vatergewesen, wie man hat annehmen wollen, daß zwischen beiden Ge-schlechtern irgend eine Blutsverbindung stattgefunden, dafür läßt sichkein bestimmtes Zeugnis aufweisen. Bis das geschehen ist, wird mandie Frage mit mehr Wahrscheinlichkeit verneinen als bejahen.
Nicht minder schwierig ist der GUternachweis der Familie; füreine bestimmte Zeit den Gesamtbesitz mit Sicherheit nachzuweisen,ist fast unmöglich. Unzweifelhaft war der später in Ostfalen undEngern zwischen Elbe und Weser belegen, und auch nach Westfalendehnte er sich aus, aber Hermann hatte Brüder, mit denen er theilenmußte. Der Sprengel von Werden, der zwischen der Elbe und Allerdie Gaue Mosde, Sturmi, Bardengau und Belra umfaßte, scheint dieWiege des Geschlechtes, mindestens der Hermannschen Linie, gewesenzu sein; schon seit 933 war Hermanns. Bruder Amelung dort Bischof,er selbst gründete nachher die Liuneburg, die Stammburg des späterenHauses im Bardengau auf dem Kalkberge an der Ilmenau, eine Grenz-wehr zwischen Liutizen und Dänen. Aber auch an der mittlerenWeser und Leine in den Gauen Merstem und Tiliti verwaltete ernachmals die Grafschaft. H
Zum ersten Male auf diesem slavischen Heerzuge erscheint jetztder merkwürdige Mann, neben dem Könige einer von denen, welcheihm ein langes, thatenreiches Leben hindurch unerschütterlich zur Seitegestanden haben. Widukind nennt ihn tafer, umsichtig, treu und un-erschütterlich. Wenn Otto seinen Werth erkannte, so muß er selbstnicht bis dahin in erster Reihe gestanden, noch in den Augen seiner
*) Urk. Ottos vom 10. Jan. 954 tLobarä ltsA. bist. VVsstl. I, 46, 8t.233si in paZo lilitüi io oomitatu Lsriwanni coinitis itsrumqus in pLAOIllsrstoo in eomitatu eiusäsm oomitis, vgl. Weiland, das sächs. Herzogthum