Die Ermordung des h. Wenceslav 935.
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auch im Innern fehlte es nicht an den stärksten Gegensätzen. Bori-vois Geschlecht hatte die politische Einheit begründet und dadurch diekleinen Häuptlinge und Fürsten zum Adel des Landes herabgedrückt;zugleich hatte es, wie beides oft verbunden erscheint, zu eigener Stär-kung das Christenthum eingeführt. Aber weil es im Bunde mit derKirche stand, mußte es die zahlreichen Anhänger des alten NaturcultuSgegen sich haben. Wenceslav selbst war von dem Geiste des Christen-thums persönlich ergriffen, er besaß sogar, was für einen czechischenVolksfürstcn unerhört war, eine kirchlich gelehrte Bildung. Er warentschieden nicht der nur fromme Dulder der Legende, sondern sehr-durchgreifende Maßregeln versuchte er zu seinem und der Kirche Schutz.Vorzugsweise an die niederen Klassen wandte er sich, bei denen die Kircheleichter'Gehör fand, einen gesicherten Rechtszustand suchte er herzustellen.Ließ er gleich die Galgen abbrechen, so bedrohte er bürgerliche und kirch-liche Vergehungen darum nicht minder mit der Todesstrafe, besonders dieAnhänger der alten Volksreligion, unter denen die eigenmächtigen Großenwieder die gefährlichsten sind. Wie sein Lebensbeschreiber sich bezeich-nend ausdrückt, H auch mit aufgezwungener Einladung sucht er alle,deren er habhaft werden kann, bei dem Mahle des himmlischen Haus-vaters zu Vereinen. Das war die Vernichtung des Heidenthums,und damit bekannte er sich zu dem Staatsleben, wie es im deutschenReiche das geltende war. Vielleicht mochte ihm darum die Unter-werfung willkommen gewesen sein, denn an dem deutschen Könige,mindestens an der Kirche gewann er einen starken Rückhalt. Demh. Veit, der gerade jetzt der gefeierte Glaubensheld der Sachsen ist,widmet er eine Kirche auf seiner Burg; von dem Bischof von Regens-burg, zu dessen Sprengel Böhmen gehört, wird sie geweiht. Zahl-reiche Priester kommen aus deutschen Landen, aus Baiern undSchwaben herbei, sie bringen Reliquien, Kirchengeräthe, Bücher, umdagegen Geschenke an edlen Metallen, Kleidern und hörigen Knechtenzu empfangen. Wenceslav mußte als halber Sachse erscheinen, derRückschlag konnte nicht ausbleiben. An einzelnen Verschwörungs-versuchen hatte es schon früher nicht gefehlt, gelingen konnten sie nurdurch den Zwist in der herrschenden Familie selbst, auf derenSprengung die bedrohten Häuptlinge ausgicngen. Zuerst hatten siebei Wenceslav Verdacht erweckt, seine Mutter Drahomir trachte ihmim Bunde mit dem Bruder Boleslav nach dem Leben. Da es keinenErfolg hatte, wandten sie sich mit gleicher Einflüsterung an diesen,der dafür empfänglicher war. Ein Heide war der jüngere Sohndieser Herrscherfamilie nicht, als Christen bezeichnet ihn die ältesteLegende ausdrücklich. Doch als möglicher Nachfolger des unver-heirateten Bruders mochte er in dessen Verfahren Vieles misbilligen,
*) Knmxoiäi vita Voneorlavi 7. 13 (88. IV, 216. 218).
2) A. a. O. 13 Variante ve des Münchener Codex; kassier s. IVsnooLlavibei Ouäill Itor Romanum I, 321. Die heidnische Richtung der Böhmen auchnoch später bezeugt dagegen Vita IVolküanAi 29 (88 IV, 538): Kons novitor por ollristianain iinlruta liäem, saariloAa iäola lioot tepiäo abiooit.
2 ) Die altslavische Legende vom h. Wenzel in Wattcnbach. Die slavifchc