Das Werk Heinrichs I.
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Doch die wichtigste Frage unter allen blieb die Nachfolge imReiche; nicht allein vom Geschlechte hieng das ab, es war Frage derÜberlieferung der Gewalt, das heißt der Erhaltung seines staatlichen- und volksthümlichen Gesamt - Daseins. Heinrichs Regierung, die nichtvolle achtzehn Jahre gedauert hatte, war dennoch seit dem Jahrhun-dert Karls des Großen die gehaltvollste und für viele kommende diemaßgebende. Mitten unter den Trümmern eines zerfallenen Reicheshatte er eine neue Grundlage gewonnen. Was ihn bei aller Dürf-tigkeit der Ueberlieferung vor Vielen kenntlich auszeichnet, war jenerreine schöpferische Lcbensathem, von dem sein ganzes Thun durchwehtist; die Macht, das Zerstreute zu sammeln, das Gebrochene zu ver-binden, das Gebeugte aufzurichten, die Kräfte in einem Punkte zueinigen und zur Abwehr gegen zerstörende Einflüsse zu wenden. Inder einfachen Bescheidung auf das Nächste, bei solchem Inhalte inwenig glänzenden Formen, lag seine stille Größe. Nicht etwas durch-aus Neues hat er geschaffen, aber auch Karl der Große hatte es nichtgethan; die überlieferten Lebensbedingungeu des alten fränkischenReichs konnte er ebenso wenig ändern, wie jener, aber innerhalb der-selben blieb noch ein großer Spielraum, das bewies der Unterschiedseiner Regierung von der seiner beiden Vorgänger. Nicht ihr ostfrün-kisches Reich hatte er hergestellt, aber auch nicht ein sächsisches an dessenStelle gesetzt. Es war ein Reich der deutschen Stämme, das zwardie Grenzen jenes deckte, aber von einem andern Geiste erfüllt war.Indem er, der Sachse, der Abkömmling des letzten heidnischenStammes, an die Spitze trat, war die alte fränkische Ueberlieferungaufgehoben. Er vollendete, was Ludwig der Deutsche begonnen hatte,und sein größter Ruhm bleibt das deutsche Reich, unser Deutschland,politisch begründet zu haben.
Im Augenblicke des Scheidens schien das Werk vollendet und vonkeiner Seite bedroht. Das oft widerstrebende Herzogthum war durchAnerkennung unterworfen, in Schwaben und Lothringen danktenseine Inhaber ihm die Erhebung. Der Baier war zufriedcngestellt,der Franke hatte ihm die Krone gebracht, das Markland an der Elbeund Eider den Slaven und Dänen zur Sicherung der deutschen Grenzeentrissen, die Besiegbarkeit der Ungarn in einer ruhmreichen, das Abend-land rettenden Schlacht dargethan, Frankreich und Italien durch er-bitterte Parteien zersplittert und fremdem Einflüsse, wie früher Deutsch-land selbst, willenlos hingegeben. Es war keine Frage, der ersteStaat der Christenheit im Westen war das deutsche Reich; seit langerZeit zum ersten Male schien ein Zustand der Sicherung eingetreten.So schien es, dennoch war dieser nicht auf den Grund geprüft. DiesePrüfung konnte erst dann erfolgen, wenn die Hand des Meistersruhte; dann erst konnte das Werk sich bewähren, wenn es seinereigenen Kraft überlassen blieb. Dieses Reich, das ihm seine Väternicht hinterlassen, das er vielmehr aus eigener Kraft gewonnen hatte,und ihm von Gott allein verliehen war, wie Widukind sagt^), dieses
fl l, 41: Imperium uou u pstribus sibi rvlietum, seck per ssmet ip-sum aclguisitum et ri. solo üeo eoueessum.
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