IS9
„Ich wähnte, der Corridor wäre beleuchtet."
„Und Du kemmst ans Deinen Zimmern?"
„Ja."
„Was machst Dn denn diesen Abend?"
«Ich bereite meine Rede an die polnischen Ge-sandten. Findet morgen nicht Nathsversammlung statt,und ist es nicht verabredet, daß jeder seine Rede EuererMajestät vorlegen soll?"
„Und Dn hast nicht irgend Jemand, der Dir beiDeiner Arbeit hilft?"
Margarethe raffte alle ihre Kräfte zusammen underwiederte:
„Ja, mein Bruder, Herr de La Mole; er ist sehrgelehrt."
„So gelehrt," sprach der Herzog von Nleiwon,„daß ich ihn bat, wenn er bei Euch fertig wäre, meineSchwester, mich anfznsuchcn und mir, der ich nicht sostark bin, wie Ihr, seinen Nash zu geben."
„Und Ihr erwartet ihn?" sagt- Margarethe mitdem allcrnatürlichstcn Tone.
„Ja." erwiederte Alenyon ungeduldig.
„Dann will ich ihn Euch schicken, mein Bruder,denn wir sind fertig."
„Und Euer Buch?" fragte Karl.
„Ich werde cs durch Gillonne holen lassen/'
Die zwei Brüder wechselten ein Zeichen.
„Geht," sprach Karl; „und wir wollen unsereRunde fortsetzcn."^
„Euere Runde?" versetzte Margarethe; „was suchtIhr denn?"
„Das rothe Männchen," erwiederte Karl. „WißtIhr nicht, daß cs ein rothes Männchen giebt, welchesim'Lonver umhergeht. Mein Bruder Alenyon behauptetcs gesehen zu haben, und wir suchen dasselbe ans."
„Gute Jagd," sprach Margarethe.
Und ste kehrte um, jedoch nicht ohne einen Blickzurückzuwerfen. Da sah sie an der Wand des Corri-