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Gehör und Sprache : Vortrag, gehalten zum Besten des Privatinstituts für den Unterricht Taubstummer Kinder zu Königsberg i. Pr.
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stellt, daß das musikalische Hörvermögen keinesweges einen Maß-stab Mr das Verständniß der Sprache etwa giebt, so daß wirsehr schwerhörende Menschen finden, die von der Unterhaltungvollkommen ausgeschlossen sind, sich aber noch mit vielem Ge-nuß an den Klängen guter Musik erfreuen können, obgleich dieKraft der einzelnen Töne gar nicht so stark erscheint, als dieSprachtöue, die man sich bemüht, zu ihrem Ohre gelangen zulasten.

Will man demnach, was ja in der That auch das Haupt-erforderniß ist, einen Maßstab für das Sprachverständniß finden,so wird man sich über die Gründe jener Erscheinung orientirenmüssen, und sich zunächst klar machen, worauf die Deutlichkeitund die Stärke der Sprache beruht.

Es ist eine der häufigsten Klagen schwerhörender Menschen,daß sie gewisse Personen sehr schlecht verstehen, auch wenn die-selben laut schreien, während andere dagegen ohne besondere An-strengung sich ihnen sehr gut verständlich machen. Schwerhörendesind aber oft recht empfindlich, wenn sie der Art angeschrieen wer-den, es verursacht ihnen sogar körperliche Pein an ihrem Ohre,und das tiefe Seelenleid, welches diese Unglücklichen über daseigene Gebrechen empfinden, macht sich dann durch eine ärger-liche Aufwallung über vermeintliches fremdes Verschulden geltend.Es ist das gewiß nicht schön, aber durchaus menschlich. Wirwerden nun vielleicht im Staude sein, einigermaßen sie davorzu bewahren, wenn wir die rein physikalischen Gründe jenes auf-fallenden Verhältnisses erwägen.

Zunächst kommt hierbei der Umstand in Betracht, daß derTon der Stimme und die Bildung der Sprachlaute bekanntlichzwei gesonderte Akte und auch räumlich getrennte Fähigkeitendes Menschen sind. Der Taubstumme hat seine Stimme be-halten, wenn er auch keinen Buchstaben spricht und jeder von

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