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Gehör und Sprache : Vortrag, gehalten zum Besten des Privatinstituts für den Unterricht Taubstummer Kinder zu Königsberg i. Pr.
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geres Festhalten eines verschwindenden Schalles erfolgen, als beileisen in der Ferne erst erklingenden Tönen. Sckwerhörendeaber helfen sich ganz instinktiv durch diese Eigenschaft des Schalles,wenn sie einen tönenden Gegenstand berühren, oder denjenigen,der mit ihnen spricht, anfassen, um das Vibrireu seines Kör-pers, seiner Brust für ihr schwaches Gehör besser zu verwerthen.Noch viel kräftiger wirkt diese Fortleitung des Schalles durcheinen festen Stab, den man mit den Zähnen festhält und z. B.gegen den Resonanzboden eines Instrumentes stemmt, ja es ge-nügt ein einfacher seidener Faden, an dem einige hellklingendeGegenstände befestigt sind, um den Schall in vollster Kraft zuGehör zu bringen, zumal, wenn man durch Verstopfen der Ohrenalle störenden Nebengeräusche ausgeschlossen hat.

Aber leichter noch, als durch die Fortleitung mittels festerGegenstände können wir durch die Reflexion des Schalles inunserm Urtheil über seine Kraft getäuscht werden. Wem sindnicht die überraschenden Phänomene bekannt, denen man in hohenGewölben, in regelmäßigen Bergkesselu oder in den eigens zu be-stimmten Zwecken erbauten Sprachgewölben begegnet? DerNachhall,das Echo und die vielfach auch zu unlauteren Zwecken mißbrauchtenFlüstergalerien, sie beruhen ja alle darauf, daß die Schallwelle voneinem Hinderniß, welches ihr auf der Reise durch die Luft entgegen-tritt, mit vollster Kraft und unter demselben Winkel zurückgeworfenwird, wie sie ««gekommen ist, und ihre Wirkung demgemäß da-hin trägt, wohin die veränderte Richtung sie weist. Die Längedes Weges aber, den ein solcher reflektirter Schall zu durchwan-dern hat, giebt ihm dann den Charakter des Echos, oder bringtbei kürzerer Distanz nur einen Nachhall der Stimme zu Wege.

Ein kunstvoll angelegtes Sprachgewölbe muß bekanntlichalle Schallwellen nur nach einem Punkte hin reflektiren undzwar zu gleicher Zeit, so daß auch ein leiserer Ton oft die ekla-

(SSV)