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Gehör und Sprache : Vortrag, gehalten zum Besten des Privatinstituts für den Unterricht Taubstummer Kinder zu Königsberg i. Pr.
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Ein namhafter Arzt hat den Vorschlag gemacht, Simulanten,die ein Ohr für taub ausgeben, dadurch zu überführen, daßman mittels zweier verbundener Hörrohre den Ton einer Stimm-gabel abwechselnd in das eine und das andere Ohr eindringenläßt, ohne daß der Untersuchte das abwechselnde Verschließendes Zuleitungsrohres bemerkt. Es soll nun durch den schnellenWechsel sein Urtheil der Art verwirrt werden, daß er'durch dieeigenen Angaben sich verrathen muß. Ich kann dem Vorschlägekeine Beweiskraft zuerkeunen, denn auch Guthörende werden beidieser Methode schließlich irren.

Freilich wird dieser Zeitpunkt je nach der Uebung desSinnes in sehr verschiedener Frist eintreten, ähnlich wie beijener Weinprobe. Während ein Laie schon lauge nicht mehrim Staude ist, ein schwieriges Tonstück zu verfolgen und höchstensdurch einen vielleicht schrill hereinfahrenden Accord aus seinerPassivität aufgerüttelt wird, mag der Musiker von Fach nochmit Leichtigkeit an den kunstvoll verschlungenen Figuren sicherlaben.

Wir werden demnach die Ermüdung des Organs, zumaldurch ungewohnte Sinneseindrücke zu vermeiden haben, wennwir bei einer Hörprüfung nicht argen Täuschungen unterliegensollen. Ich erinnere hier an einen Vorgang, der wohl jedemeinmal im Leben vorgekommen ist: wie häufig erwartet manmit Ungeduld die Rückkehr eines Boten oder eines Angehörigen,der sich auf seinem Wege bis in die dunkele Nacht verspätethat. Hinaushorchend glaubt mau den Fußtritt eines näher-kommenden Menschen, das Rattern eines Wagens von fernejetzt endlich ganz deutlich zu vernehmen, und es hat uns dasWehen des Windes oder der stetig fallende Tropfen oder derPulsschlag des eigenen erregten Herzens getäuscht, und wenn

dies lange dauert, so schließt man das Fenster, weil man sichcese)