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Die Nibelungensage
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den entrissen, in der Tobten sichres Land. Im Nibelungenlied,wo ihre Liebe zu Siegfried vergessen ist, lebt sie fort; aber dieLebende verschwindet wie die Tobte.

Eigenthümlich der nordischen Sage ist die Vorliebe fürHagen (Högni), welche sich übrigens auch im zweiten Theildes Nibelungenlieds durchfühlen läßt. Doch bleibt er hier immernoch der Mörder Siegfrieds und findet als solcher seinen ver-dienten Tod. Die nordischen Männer der Wikingszeit aber,welche den unerschütterlichen Todesmuth über Alles achteten, em-pfanden für den lachenden Trotz, mit dem Högni stirbt, solcheBewunderung, daß sie in diesem stolzen Helden nicht zugleichden hinterlistigen Mörder Sigurds sehen wollten. Sie ließendaher den jungen Guttorm die Frevelthat vollbringen und derThat die Rache auf dem Fuße folgen.

Vollkommen abweichend von der deutschen Auffassung ist dieStellung der Gattin Siegfrieds in der nordischen Sage.Ihr deutscher Name Grimhild (so lautet die ursprüngliche Form) istauf ihre Mutter übergegangen,die im Nibelungenlied einfach Hots,Ahnfrau, heißt; sie selbst heißt Gudruu. Vielleicht hat sie einst beideNamen geführt, wie auch Brynhild verschiedene Namen hat. Ihremermordeten Gatten sind die beiden Hauptschuldigen Guttorm undBrynhild in den Tod gefolgt; die überlebenden Mitschuldigen sindihre Brüder. Sie flieht, läßt sich aber später durch ihrer MutterKünste milder stimmen und nimmt die Sühngeschenke der Brü-der an. Damit ist nach altdeutscher Anschauung dem Recht Ge-nüge gethan und aller Groll vergessen. Sie warnt daher ihreBrüder vor Atlis Tücke, kämpft walkürenhaft mit blankemSchwert an ihrer Seite und rächt ihren Tod an Atli und seinemganzen Haus. Dann aber, nachdem sie die heilige Pflicht derBlutrache erfüllt hat, stirbt sie in den Flammen mit dem unge-liebten Mann. So endete ohne Zweifel die ursprüngliche Sage.

(6SS)