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gehn, da von allen Theorien über die Entstehung des Gedichtesdie Einheit der Sage vorausgesetzt wird.
-Auch auf die damit eng zusammenhängende Handschriften-frage brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen, weil auch diestärksten Abweichungen der schriftlichen Ueberlicferung die Sagenur oberflächlich berühren. Wie manichfache Bearbeitungen dieHandschriften auch zu erkennen geben, die Sage bleibt eine unddieselbe.
Von weit größerer Wichtigkeit für uns sind die Fragen,wann und wo das Nibelungenlied entstanden ist, und für welcheGesellschaftsklasse es vorzugsweise bestimmt war. Denndamit hängt die Erwägung zusammen, welche zeitliche und lokaleEinflüsse bei der uns vorliegenden Darstellung der Sage mitge-wirkt haben, welches kulturgeschichtliche Beiwerk wir in Abzugbringen müssen, wenn wir auf die ursprüngliche Gestalt derSage zurückschließen wollen.
Was zunächst die Ortsfrage betrifft, so steht die An-nahme so ziemlich unbestritten fest, daß die Heimath des Liedesim südöstlichen Deutschland zu suchen ist. Weniger einhelligäußern sich die Forscher über die Zeit der Entstehung. Bei-läufig mag als solche das letzte Drittel des zwölften Jahrhundertsbezeichnet werden.
Es war dies jene wundersame Zeit, in welcher unsere Literaturmit dem plötzlichen Aufblühen der Kunstlyrik einen Umschwuvohne Gleichen erfuhr, wo der strenge männliche Charakter unsererDichtung in anmuthige frauenhafte Weichheit übergieug, und imschwärmerischen Cultus der Gefühle die moderne Stimmung des In-dividualismus sich ankündigte. Es war derFrühling desMinue-sangs. Bis dahin war die deutsche Kuustdichtung das Pflege-kind der Geistlichkeit gewesen; nun aber hüllte sie sich in ritter-liches Gewand gleich jenem Mönch der Sage, der im Waffeu-
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