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Speculum vitae humanae : ein Drama ; 1584
Entstehung
Seite
31
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barmhertzigkait, wo nit aller zeitlichen, jedoch der ewigenstraffen zu empflihen, vnd wann mein stündlein kommenwirbt, mit dem lieben Simon zusagen: Herr, nun lassestdu deine dienerin in friden faren, dann meine äugen habengesehen deinen Hayland.

s22"j Der Priester:

Amen, mein Fraw, das verleyhe vns Gott, vnnd ver-richte volend in Euch sein Merck, wie ers angefangen hat.

Darauff greifst die krancke Fraw in die Züge,vnd spricht der Priester:

Fraw, erinnert Euch, was jr von mir gehört habt,vnd sprecht in Ewrem hertzen: Jesu, mein trewer Gottvnd Erlöser, erbarme dich meiner, vnnd laß deinen Todmein leben sein! O du allerseligiste Junckfraw Mariavnd alle liebe Heyligen, bittet für mich!

Die Seel der verstorbnen Frawen im Fegfewerspricht:

Ach, ach, mein Gott, Erschöpffer vnd Erlöser, wasgrosse Qual, vnaußsprechliche Marter vnd unbegreiflichepcin leide ich in diser Fewer gluet vnd Flammen, kämevcrnunfft kan es begreifst», kain zung außsprechen, auchkain Menschliches Hertz anff dem Erdboden glauben, wasich an allen meinen krefften, damit ich dich meinen Gotterzürnet habe, mueß leyden vnnd schmertzlichen empfinden.Ach, het ich in meinem zeitlichen leben dich mein Gottmehr geliebt, meinen Nechsten nit so grewlich geergert vndder Sünden der Welt vnd dem laidigen Sathan mit ge-dancken, Worten vnd wercken, sonderlichen der Hoffart nie-mals gedienet! s22^ Ach mein Gott, gedencke doch an deingrundtlose barmhertzigkait, sihe an den bluetigen Schwaißvnd bittere Angst deines allerliebsten Suns vnnd alles,was derselbige von Juden vnd Hayden jemals erlitten hat,vnd erlöse mich auß disem fewrigen Pfal vnnd vnbegreif-lichen hertzenlaid. Amen, du allergüetigister Gott, kommebald, Amen.