Druckschrift 
Speculum vitae humanae : ein Drama ; 1584
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

suechen, zum sechsten die Gefangen erledigen, zum sibendendie Tobten begraben lassen, vnnd solliches sein alles sachen,die du nit deinem Nechsten allein zu guetem erzaigt, sonderauch Christus selbst, als der, was man dem wenigistenvnder den seinigen gethan, jhme selbst gethan sein sollegesprochen. Vnd also dardurch auch deiner Seel seligkaitgedient, aber das will ich dir gesagt vnd darneben ge-warnet haben, das der böse Feind durch böse Leut, wo erdie guete Merck waist, nit feyren thuet, wie er sollicheverhindern mochte, als solliches die siben Todsünden, soschier am machten im schwnng gehen vnd vom gneten ab-wendig machen, beweisen thuen. Dann da zeucht amersten die Hoffart, der niemand gnet genueg sein kan,daher gibt dir ein, weil du so hocher Herkommens vndReich, so sollest du dich zu deines geleichen vnd zue grossenHerrn gesellen, vnd kain gemainschafft mit den armen,schlechten Leuten machen, da kanst du dich dann nit schönvnnd prächtlich genueg klaiden, es mueß alles doppeltSeiden aufs Seiden, das geringer über das Köstlicher, alsSeiden vber Guldenstuck, vnd dermassen zerstochen vndzerschnitten sein, damit man nur gcnueg verschwenden vndhernach die Claider, wann sy schon nit abgetragen, nichtsmehr nutz sein künden. Die Ketten künden nit groß vnndschwer, die Cragen oder Kreß nit lang genueg sein, daman wol anß ainem ain gantz Heinmat machen

künde, da thuet man allerlay seltzame Klaidung, Hüet,Pareth, Rück vnnd Schuech erfinden, die Part vnd Haarmüessen aufs manicherlay weiß gemacht, gepisst vnd gezigeltwerden, da sicht ainer ainem Affen, der ander ainer Gaiß,der drit ainer Laruen vnd dardurch mehr ainem götzenals ainem Menschen gleich, darunder dann die Frawenvnnd Junckfrawen, die mit disem Laster der Hoffart mehrals die Männer befleckt seind, auch begriffen. Kombt esdann zum leisten End, vnd aines schon gern Rew vndLaid hette, so kompt alßdann der böß feind vnnd machtaines mit seinem fürbilden der Hoffart inn dem gewissenso irrig, das ainer gleich im zweyfel der Gütlichen barm-hcrtzigkeit stehet, vnd wann es wol gerath, in das Feg-fewr der Bneß kombt.