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Darstellung, mit welcher Gervinus seinerzeit mutig voraus-ging, heute überholt. Eine übersichtliche Gruppierung desMaterials hat jüngst Holstein versucht: „Die Reformation imSpiegelbilde der dramatischen Literatur des XVI. Jahr-hunderts“ (Halle 1886).
Lateinisches Drama.
Ueber das lateinische Drama, welchem chrono-logisch und sachlich der Vorgang zusteht, vgl. Gödeke§ 99 I 435 ff. (das humanistische Drama) und § 115 II 131 ff.(das lateinische drama sacrum). Eine zusammenhängendeBehandlung giebt in den Grundzügen Herford, Studies inthe Literary Relations of England and Germany in thesixteenth Century (Cambridge 1886) S. 70 ff.
Den Ausgangspunkt bilden die Schulen der Brüdervom gemeinsamen Leben mit ihren Redeübungen und Latein-Übungen. Pädagogische Interessen und vorreformatorisehcTendenz sind dem humanistischen Drama von Haus anseigen; gegen das Kirchenlatein und gegen die Geistlichenwendet sich die Spitze. In den Kreis der Brüder vomgemeinsamen Leben verweist uns direkt Kerckmeister’sCodrus vom Jahre 1485: der Verfasser ist Gymnasiareh inMünster, wo Rudolf von Langen wirkte (Wilhelm Schlitzeim Archiv für Literaturgeschichte XI 328 ff.). Aehnlich wiehier um den scholastischen Schulmeister Codrus, handelt essich in andern humanistischen Comödien, welche in Paduaum 1466 wie es scheint von deutschen Studenten gedichtetwurden, um die Wahl eines Lectors (vgl. Bolte in Zs. f. vgl.Litgesch. N. F. I 77 ff.). Die erste Comüdie eines deutschenHumanisten ist der Stylpho von Wimpfeling (Archiv VII157 ff.; Martin, Strassburger Studien III 2), im Jahre 1470 (?)entstanden, durch seinen Verfasser auf denselben Kreis ver-weisend wie der Codrus. Das Vorbild ist Terenz; daspädagogische Interesse zeigt sich in der Idealfigur desLehrers, welcher im Mittelpunkte steht, sowie in dem Examen,welches die interessanteste Scene des Stückes vorstellt; dieTypen für das Drama vom verlornen Sohn finden wir hiervorbereitet. (Vgl. jetzt D. L. Zeitung 1888 Nr. 29 Sp. 1053.)
Die Humanisten bedienen sich zu den Festzügen undAufzügen mit mythologischen und allegorischen Figuren,