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2 (1876) Enthaltend Capitel IV, V und VI
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Friedrich Zarncke,

vocabatur Chanchana, sein Land erstreckt sich nach § 5 von Chassar Ins Jlella-sagun. Erstere Stadt ist zweifelsohne das noch jetzt bekannte, also sichergegebene Kaschgar; Uber die Lage des in den mittelalterlichen Quellen öfterangeführten Belasagun, Belasgun, Balasgun schwankt man. Spruner in domflistor. geogr. Iland-Atlas zur Gesell. Asiens etc. 2. Aull. (1855) Nr. V ver-legt es nördlich vom Jaxartes, etwa 88° L (v. Ferro), und 46° n. Br., wo esallerdings einige mittelalterliche Karten bei Lelewel als Balasangun anselzen,Yulo dagegen (Cathay and the way thilher) verlegt es südlich vom Altai-Ge-birge, etwas östlich vom heutigen Kutschun, etwa 108° L und 46° n. Br.Zweifelsohne ist Yules Angabe vorzuziehen, und sie passt auch für unsereStelle vortrefflich. Unter dem Reiche des Chanchana ist also Osl-Turkestan ver-standen.

Nun sind hier offenbar mannigfache Missverständnisse durch einander ge-mischt. ln jener Gegend hat nie ein rex Persarum geherrscht; auch hat einrex Persarum nie den Namen Chanchana geführt (obwohl er allerdings rexregum hiess), endlich hat Dschingiskhan nie weder zu einem rex Persarumnoch zu dem Beherrscher von Ost-Turkestan in Abhängigkeitsverhältniss ge-standen. Zu diesen Fehlern fügt § 28 noch einen neuen, indem dort dasReich des Lehnsherrn regnum regis regum Sarracenorum genannt wird. Diemuhaminedanische Religion aber war in jenen Gegenden keineswegs die herr-schende. Es ist hier ein bekannter muhnmmednnischer Titel übertragen wor-den. Vgl. z. B. Qualremere, Histoirc des Mongols en Perse par Reschid-EldinI, 11 le kaän illustre, le roi des rois dIslammne.

In Wahrheit waren die Verhältnisse vielmehr diese. Osl-Turkestan warseil I I26 das Ilauplland des Reiches der Karakilai, das eben der sog. PriesterJohannes gegründet hatte. Von diesem Reiche war der Stamm der Mongolennicht abhängig, wohl aber von den Kaisern von China aus der Dynastie derKin. Diese beanspruchten Tribut und Anerkennung als Lehnsherren. Vgl.dOhsson, llist. des Mong. I, 3 fg. 122. Desg. 3, 30 fg. Dschingiskhan lehntesich 1210 hiegegen auf und führte 1211 glückliche Feldzüge in Nord-China.

Nach China weist also das Vasallenverhällniss, nach China vielleicht auchder Name Chanchana. Dorthin auch die in § 23 ganz richtig erwähnte Ver-mählung mit einer Tochter des Königs de Machachi. Ueber dies Wort, eineConlraction von Mahnchina, Gross-China, handelt Yule 1, S. CXV1II fg. Anm. I.Allerdings war Dschingiskhan nicht gleich anfangs mit einer chinesischen Prin-zessin verheiralhet, aber 1209 vermählte er sich mit der Tochter des Fürsten' 0,1 Tangut Li-gan-tsuen, Desg. 3, 30, und 1214 mit der des Kaisers Yün-tsi,Desg. 3, 37.

Jene Verhältnisse hat also das Gerücht gar wohl gekannt, aber es hat siein falsche Beziehung gebracht zu dem Kampfe der Mongolen gegen die lvnra-kilai unter Kulschluk, der 1208 den letzten Gurkhan der Karakilai vom Thronegestossen halte. Dieser Kampf begann erst 1217 und endete 1218 mit derUnterwerfung der Karakilai. Wenn es § 27 heisst, der Besiegte sei in gol-denen Fesseln ins Land des David geführt worden, so hängt diese Sage wohlganz in der Luft. Weder in China noch in Karakilai fand Derartiges statt.Der Kaiser aus der Kin-Dynastie Tchong-hei fiel während des Krieges im