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Friedkich Zauncke,
2. Geschichtlich-geographische Bemerkungen.
Unsere Relatio gewährt ein besonderes Interesse dadurch, dass sie einedurchaus gleichzeitige Quelle ist. Sie zeigt alle Vorzüge und alle Mängel einerZeitungscorrespondenz: die hrische des Eindrucks, der die Gemülhei auls leb-haftesle beschäftigt, und manche Ungenauigkeiten in Einzelheiten, die ja dasGerücht nicht zu vermeiden im Stande ist. Es soll nun im Nachstehendenversucht werden, die Angaben der Relatio an der wirklich beglaubigten Ge-schichte zu prüfen und das Richtige vom Unrichtigen zu scheiden. An man-chen Stellen wird leider die oft unglaubliche Unsicherheit der Ueberlieferungstörend in den Weg treten. Die geographisch-geschichtlichen llüllsmillcl, dieAusbeute versprachen, glaube ich gewissenhaft ausgenulzt zu haben (auchllammer’s Aufsätze in den Wiener Jahrbüchern 1819, Bd. 7; nicht aber Rarbierde Meynard’s Dictionnaire de la Perse, Paris 1861), doch blieben mir leiderdie orientalischen Quellen meist verschlossen, da die schöne Sitte früherer Zeit,dem Originaltexte eine lateinische Uebersetzung beizugeben, nicht mehr befolgtwird und so Quellen ersten Ranges, wie z. B. Ihn Alhir, der Benutzung nahezuentzogen bleiben. Manches, was im Folgenden, namentlich gegen Ende, wodie kleinen Sultane genannt werden, unentschieden gelassen werden musste,wii'd ein Orientalist wahrscheinlich spielend bestimmen können, wenn er denIhn Alhir vergleicht, der alle diese Ereignisse miterlebte und in Mossul, nichtfern von der Gegend, wo höchst wahrscheinlich unsere Relatio entstand,wohnte. Auch die Benutzung Nissawi’s und DschuweTni’s habe ich schmerz-lich entbehrt. Neben der Relatio (I) musste auch die zweite Charta (II) herbei-gezogen werden, die, noch übler überliefert, auch noch von untergeordneteremInteresse ist als I. Unbenutzt geblieben ist die dritte Charta (111) , wesent-lich nur eine schlechte Variante von II.
Zu 1, § 1—28. II, § 4.
Die Relatio nennt das Land des David nicht, sie giebt nur die Genealogiedesselben an, und dass er in Abhängigkeit gestanden habe von dem Ghan-chana (I, § 4—5).
Die Genealogie kann auf geschichtliche Geltung keinen Anspruch erheben;dass die christlichen Namen David, Israel, Johannes nicht von denmongolischen Fürsten selbst geführt, sondern ihnen nur von den Christenzugelegt wurden, liegt auf der Hand. Beim Priester Johannes vermulhelcman, wie wir sahen, eine Verwechselung mit dem Titel seines Trägers Kuchemoder kurchan, aber genealogisch steht dieser in gar keinem Verhältnis zuDschingiskhan; bei dem Namen Israel könnte man Namensähnlichkeit an-nehmen, der Vater Dschingiskhan’s hiess Yissujcü ( Yesukai ) ; aber zwischenDavid und Dschingiskhan oder seinem früheren Namen Temudschin ist eineBrücke nicht zu schlagen. Auch bedarf es solcher Vermuthungen nicht, dennwir haben viele Beispiele, dass fremde Könige im Occidenl mit christlichenoder ganz frei gewählten Namen genannt wurden. So hiess Malek al Moad-dhem bei den Christen Coradinm, Malek al Kamel Mcledin, im Jahre 1247