Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

erwähnt, Oberrabbiner von Portugal. Als solcher war er nach dem Statutein hoher Kronbeamtcr, knnoionario da, ooroü, und fungirte im Namendes Königs. Unter dem ^rrad/ mor standen sieben Oberlichter, onvi-üores, für die sieben Provinzen Portugals, welche für ihr Territorium beinahedieselben Funktionen, wie der Oberrabbiner für die Gcsammtgemeindcn, hatten,nur daß sic von diesem rcssortirten. Jeder derselben war wohl pi wo 2x fürdie Provinz (o. S- 44 ).

Sobald Manocl den höllischen Plan faßte, die portugiesischen Juden ver-mittelst der Zwangstausc im Lande zu behalten, mußte ihm daran liegen,daß die von ihm unmittelbar oder mittelbar rcssortircndcn Beamten sich seinemBefehle gefügig zeigen und den Gemeinden das Beispiel des Gehorsams gebensollten; daher ist cs erklärlich, daß Simon Maimi, der ossicielle ^rrad^ morvon Portugal, ganz besonders der Zwangstausc unterworfen wurde; seineLcidensgenosscn waren also höchstwahrscheinlich die Ouvidorss. Es hätteneigentlich sieben sein sollen, und also mit dem Oberrabbincr acht. Vielleichtbezieht sich darauf die Angabe in der portugiesischen Quelle ssto orr oits(7 oder 8 ), oder vielleicht war gerade eine Ouvidor-Stclle damals vakant.Genug, cs ist augenfällig, daß Maimi's Lcidensgcnossen königliche Funktionäreund zugleich Vorsteher der Juden einer ganzen Provinz waren. Maimi'sSchwiegersöhne, welche mit ihm litten und starben, gehörten wohl zu denOnviäores. Nur deswegen wurden für diese Sieben alle Mittel der Bekehrungangcwendct, weil sie ossicielle geistliche hohe Beamte waren, damit sie denübrigen Juden mit dem Beispiel vorangehen sollten, wie es Kapsali angiebt:rioo'-NLvb 1PIN.1' NCTUNL' 2'iri'ei bo ,2'» I1X2M (,-ibx 21VV' 2X12 1^2N 2WN1

2'i2,ro. Und gerade, weil die Augen aller Juden auf diese sieben gerichtetwaren, erduldeten sie alle Marter, um in ihrem angestammten Bckcnntniß zuverharren. Es ist daher auch erklärlich, warum nur diese sieben so unmenschlichgefoltert wurden, und warum Manocl die vier Uebcrlebcndcn anfangs auchnicht entlassen mochte, dagegen Abraham Saba und seine Gefährten nicht derFolter unterwerfen und später gar frei abziehcn ließ. Manocl setzte seine Hoffnunggerade auf die endliche Bekehrung dieser Sieben, um durch sie sämmtlicheZwangstäuflingc für das Christcnthum gewinnen und sämmtliche portugiesischeJuden, als Christen mctamorphosirt, im Lande behalten zu können. Da dievier Ueberlcbcndcn nach Kapsaliallen Torturen zum Trotz standhaft", odernach der Bezeichnung der portugiesischen Notizhalsstarrig" geblieben waren,so mochte cs dem König bedenklich erscheinen, sie im Lande und in der Haupt-stadt zu lassen, weil ihre Standhaftigkeit und ihr Todesmuth die bereits Ge-tauften hätte abtrünnig machen können. Deswegen mochte er sie nach Arzillahaben transportircn lassen, nicht um ihnen die Freiheit zu geben, sondern umsic dort wegen ihrer Halsstarrigkeit und ihres widerspenstigen Ungehorsamszüchtigen zu lassen. Der Gouverneur von Arzilla, welcher nach Saba's Relationsic bis zum Tode gemartert hat, war wahrscheinlich noch Condc de Borba,der auch die aus Spanien Ausgewanderten, welche durch sein Gebiet gezogenwaren, so unmenschlich behandelt hatte (o. S. 361 ).