Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472

Geschichte der Juden.

nach der Hinrichtung außerordentlich geschäftig. Er ließ das langathmigcTodcserkcnntniß gegen Bendito Garcia in das katalanischeIdiom übersetzen, und zwar gleich nach der erfolgten Hinrichtung (das.p. 122 f.). 11m inisma scntcncia (inguisiiorial contra 8. darcia) truckucickaul iäioina ca tu Irin v conrunicacia por Torgusmaäa ü tos Ingnisi-ckorcs ckc Larcetona. Zu welchem Zwecke sollte das Urthcil den Catalonierniu ihrer Mundart bekannt gemacht werden? Diese, welche das Spanische nichtrecht verstanden, sollten in ihrer eigenen Sprache erfahren, welche Ungeheuer-lichkeiten die Inquisition ans Licht gezogen hat. Die Catalonicr hatten derEinführung der Inquisition in ihrer Landschaft thätlichcn Widerstand entgegen-gesetzt. Durch den Proceß sollten sic sich von der Nothwcndigkeit des sanctnmvckicium überzeugen.

Der Trug-Proceß hatte demnach eine doppelte Tendenz: das Verfahrengegen die Marranen zu rechtfertigen und die Vertreibung der Juden, welchevon den Dominikanern von langer Hand angelegt war, bei dem Königspaarcdurchzusetzcn. Den Zusammenhang zwischen dem Proceß und der Verbannungder Juden deutet ein lateinisches Testimonium an, welches die Wundcrthätigkcitder von den Angcschuldigtcn angeblich entweihten Hostie rühmt. Es fügt hinzu:Wegen des Ankaufs der Hostie uud der Ermordung desKindes" haben diekatholischen Könige die Vertreibung der Juden aus Spanien, welche sie imPlane hatten, thatsächlich ansgcführt" (das. 153): 8rnpter cnsus con-ckiiionern (bostiae) xarvuliguc occisioucrn prcäicli catlrolici rcASs guock ckscxpulsionc cknäacorum ab Ilispunia ckccrcvcraut, opsrc complcvcrunt.Das Testimonium stammt aus dem Dominikaner-Kloster von Avila, der Werk-stücke Torqucmada's. Dieser Kreis konnte recht gut wissen, daß der von Tor-quemada angestcllte Kindes-Proccß nicht ohne Einwirkung auf den Entschlußdes Königspaares zur Vertreibung gewesen ist.

12 .

Iie spanische Inquisition in ihren Anfängen.

Dank dem Forschungseifer und der Wahrheitsliebe spanischer Historikerund besonders des Don Fidel Fita sind neue Quellen für die Thätigkcit derspanischen Inquisition in ihren Anfängen unter Torquemada erschlossen worden.Mehrere Verzeichnisse von Namen der vcrurthciltcnjudaisirenden Ketzer"liefern ein reiches Detail, welches durch das Colorit der Unmittelbarkeit undKraßheit der Darstellung den Schauder vor dem sancturn okckcinua noch mehrzu erhöhen geeignet ist. Diese Quellen bestätigen durchweg Llorcnte's Schil-derung von der tückischen Grausamkeit dieser Inquisition, und nach Einsicht-nahme von demselben dürfte Keiner die Unverfrorenheit des Verfassers derBiographie des Cardinals und Großinquisitors Limencs de Cisneros (Hefele)theilen, zu behaupten, daß die Unthatcn der Inquisition nur inhistorischenRomanen und romanhaften Geschichten" vorkämcn. Das aus diesen Quellengewonnene Detail widerlegt auch gründlich die von dem Benediktiner PiusBonifacius Gams gegen Llorcnte erhobene Beschuldigung der Unrichtigkeitund Uebertrcibung (Kircheugcsch. von Spanien III, 2, 1879). Diesem Detailgegenüber erscheint die Schilderung des ersten Geschichtsschreibers der Inqui-sition von derselben eher noch gemildert, als tendenziös übertrieben. DieseReihe von Quellen ist erst seit 1885 veröffentlicht worden.