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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

Castilien nach Portugal mehr als 120000 betragen haben:

-"pv ->on. Das Zeugniß, welches angiebt, daß die officiell registrirtenEinwanderer von Castilien nach Portugal 98 000 betragen haben (o. S. 368),kann daher nicht ohne weiteres verworfen werden.

Der Calcül des Herrn Loeb hat nichts Ucbcrzcugcndcs. Er berechnet an-nähernd die Zahl der scphardischen Juden in der Gegenwart in der Türkei,Aegypten, der Berberci, Frankreich, Italien, Holland re., der Nachkommen derAusgcwicscncn, auf 165 000 und nimmt an, daß die Letzteren sich in vierJahrhunderten doch wohl um das Doppelte vermehrt haben. Folglich habe ihreZahl etwa 8090000 betragen, und die Zahl der elend Umgekommencn und derer,die sich aus Verzweiflung hinterher getauft haben, werde gewiß nicht größergewesen sein. Allein abgesehen davon, daß keine Statistik für die Zahl derScphardim in Europa, Asien, Afrika und Amerika existirt sie mag größeroder auch kleiner sein so ist der Rückschluß auf die Zahl ihrer Vorfahrenkaum hypothetisch zulässig. Es ist eine bekannte Sache, daß die Scphardimsich in den letzten Dcccnnien sehr vermindert haben. In Hamburg und Altonasind sic fast Null; in Amsterdam, Holland ist die Zahl sehr gesunken. DieserCalcül gicbt keinen Anhaltspunkt weder für die Schätzung der Zahl der Ver-triebenen, noch für die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Spanien.

11 .

Der Znquisltionsproccß wegen des angeblichen Martyriums des Kindesvon La Kuardia.

Zwei Jahre vor der Austreibung der Juden aus Spanien hat die Inquisitioneinen horrenden Proeeß gegen einige Juden und Ncuchristen angeblich wegender von denselben begangenen Ungeheuerlichkeiten eingcleitct und hat die An-geschuldigtcn auch verurthcilt und hinrichten lassen. Dieser Proeeß, bekannt unterdem Namendes heiligen Kindes von La Guardia" (sl sauto uiilo cisU/s. 6marckla), der sich anderthalb Jahre hingczogen hat, machte zu seiner Zeitgroßes Aufsehen in Spanien. Er beruhte zwar von Anfang bis Ende auf Lugund Trug, nichtsdestoweniger wurde die Schuld der Angeklagten zur Zeit undspäter geglaubt; neue Frevclthatcn wurden hinzugedichtet, und er wird noch heu-tigen Tages von erleuchteten Christen und selbst von Historikern halb und halbals Factum angenommen. Isidor Loeb hat sich die Mühe nicht verdrießen lassen,mit dem Scharfblick eines genialen Untersuchungsrichters die Aussagen der so-genannten Zeugen und das Verfahren des Jnquisitionsrichtcrs zu beleuchten.Er hat dazu Karten zeichnen lassen von den Deutlichkeiten, welche in diesemProteste genannt wurden, um augenscheinlich zu beweisen, daß die Angabentopographische Unmöglichkeiten verrathen, und hat überhaupt das Lügen-gewebe bis auf die letzten Fäden zerfasert. Loeb hat die Aussagen der Zeugengegen einander gehalten und nachgewiesen, daß unmögliche Facta als erwieseneSchuld dargcstellt wurden. Ein zartes Kind von drei Jahren soll gemartertund umgcbracht worden sein. Aber in den Proceßakten ist auch nicht schattenhaftdarauf hingedeutct, daß ein Kind in dem Städtchen La Guardia oder in derNachbarschaft vermißt worden wäre, daß eine Mutter cs gesucht und nichtgefunden hätte, und auch nicht, daß die Gebeine desselben irgendwo versteckt