Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
449
Einzelbild herunterladen
 

Note 8.

449

in oivp nyiwd p. 40 b): 12 m si^ip iiiw^v ivt« e>ip aimv '5 nvw eme''inen '2^5 n'mi oivv pvnp renipL-. Es ist ein Fingerzeig, wie historischeAnekdoten im Laufe der Zeiten Wandlungen erfahren.

Noch ein dritter Jrrthum ist zu berichtigen. In Elia Kapsali's Send-schreiben ist angegeben: Kolon habe auf seinem Todtenbctte seinen Sohn Pcreznach Constantinopcl zu Kapsali geschickt, um ihm die Acußcrnng aufrichtigerRene wegen der ihm angethanen Beleidigung und Schmähung zu überbringcn.Es wird ferner erzählt, daß Kapsali diesen freundlich empfangen, behandeltund gegen Elia Misrachi in Schutz genommen habe. In dem oft genanntenhistorischen Merkchen a^ix rvxiwo ist dieser Zug entstellt. Es heißt daselbst,Kapsali habe cs bei dem türkischen Sultan durchgesctzt, daß ein Schreiben anden deutschen Kaiser erlassen worden sei, den unverschämten Rabbiner Kolonsofort in Ketten nach Constantinopcl zu liefern. Der deutsche Kaiser habe auch ausFurcht vor den Drohungen des Sultans dessen Befehl vollstrecken lassen wollen.Die jüdischen Gemeinden hätten es aber aus Schonung gegen den greisen Kolondurchgesctzt, daß Kolon's Sohn nach Constantinopcl gesandt worden sei, unddieser sei zwar von Kapsali freundlich ausgenommen worden, habe aber bittereAusfälle gegen seinen Vater anhören müssen. Dieser Zug von der Inter-vention des Sultans und des deutschen Kaisers in den Streit zwischen zweiRabbincn ist ohne Zweifel erfunden, zumal der Hauptbericht nichts davonerwähnt. Es ist aber daraus zu erkennen, welche Wichtigkeit diese Ange-legenheit zu ihrer und der nachfolgenden Zeit hatte, daß sich entstellende Sagendaran ansctzten. Die Hauptsache bleibt aber, daß die Anklagen gegen Kapsali,als habe er aus Unwissenheit, Leichtsinn oder Uebcrhebung falsche rabbinischcEntscheidungen getroffen, reine Verleumdung waren, welche seine Gegner er-funden haben, um seinen Sturz hcrbeizuführcn.

Nebenher sei noch bemerkt, daß Consorte sich geirrt hat, indem ex angab,unser Mose Kapsali habe in Korrespondenz mit Benjamin Seeb gestanden(Koro ba-Oorot p. 29); denn in Kossip. Bcnj. Seeb Ko. 75 ist von einemandern Kapsali i-'in p die Rede, einem Zeitgenossen des Rabbiners von Arta.Allerdings wird der Name unseres Mose Kapsali in denselben Responsen ge-nannt, aber nur gelegentlich, als eines Verstorbenen (Ko. 248): w'n) u>wi ein1'211 1212b ,121 1V2 >1112 1,2ixb 211 ix i>22 1'2I2 (>NL^ 2lbs >'1

'p'iibw ' 22111 , 2 ,, 11,2 2 ' 121 . Vcrgl. über die Familie Kapsali, Lattes a. a.O. p-ö fg.

8 .

Alter und ZZcdcntung der kabbalistischen Schriften Kann und I'olia.

Die Kabbala hat, seitdem sic ihr Centrum im Buche Sohar gefunden, biszuin Auftreten des Isaak Lnrja keinen wesentlichen Fortschritt gemacht. Sicbewegte sich stets in ihrem engen Kreise nebelhafter Vorstellungen, Deutungenund Declamationcn. Einen einigermaßen abweichenden Charakter haben zweiSchriften, welche ihrem Inhalte nach noch wenig bekannt sind: Das BuchKnna. (npi i°c> öfter cdirt) über die religiösen Vorschriften (. 1 , 2-21 bx) unddas Buch Uolia. (i 2 -i°>, einmal cdirt Korss 1784, die Handschriften häufigerals die gedruckten Exemplare) über den pcntatcuchischen Abschnitt i>rni 2 . Beidehaben einen cigenthümlichen Zug, der ihnen das Ansehen gicbt, als wollte ihrekabbalistische Theorie sich gegen den Talmudismus kehren. Doch che wir aufden Inhalt näher cingchen, müssen die Präliminarien über Identität beiderSchriften, Zeit, Verfasserschaft und Vaterland derselben erledigt werden.

Graetz, Geschichte der Juden. VIII. 29