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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Die Juden in der Provence.

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von Marseille ihren unglücklichen Brüdern, welche aus Spanien ver-bannt waren, Theilnahme und Hilfe. Ein herzloser Schiffseigner ausNizza, Bartholom de Gaufredi, hatte nämlich ein Schiff ge-kapert, auf dem sich einhundertundachtzehn jüdische Personen, Männer,Frauen und Kinder, befanden, die gleich nach Ablauf der Verbannungs-frist Aragonien verlassen hatten. Er hatte sie in Gefangenschaft nachMarseille geführt, um entweder von der jüdischen Gemeinde der ProvenceLösegeld für sie zu erlangen oder sie in der Türkei als Sklaven zu ver-kaufen (24. August 1492). Die Marseiller Gemeinde nahm sich sofortder Unglücklichen an; sie brauchte zwar das von dem Piraten verlangteLösegeld von 1500 Thalern nicht zu zahlen, da sich die Gefangenenanheischig gemacht hatten, es selbst herbeizuschaffen. Aber sie über-nahm in Verbindung mit der Gemeinde von Aix die Bürgschaft gegen-über einem reichen Christen aus der angesehenen Familie Frobin inMarseille, welcher die Summe für den Menschenräuber vorgeschossenhatte, den Vorschuß nebst Zinsen zu ersetzen, falls die Gefangenenihre Verpflichtung innerhalb vier Monaten nicht erfüllen sollten.Während dieser Frist versorgten die Juden von Marseille und Aixbrüderlich die Heimathlosen mit allen Bedürfnissen'). Nicht langedarauf kamen die Juden der Provence in dieselbe elende Lage, heimath-los zu werden. Karl VIII. verbannte sie (1498 ?) aus dem Lande,in welchem ihre Vorfahren lange vor der Einwanderung der Frankenund Gothen angesiedelt waren. Glücklich waren noch Diejenigen,welche in dem nahen französischen Kirchenstaat Comtat Venaissin inden Städten Avignon und Carpentras ein Unterkommen findenkonnten. Hier trafen die Provencalen mit den Ausgewiesenen ausSpanien zusammen, die sich hier niedergelassen hatten, und konnteneinander ihr Leid erzählen. Die christliche Bürgerschaft von Avignon

Aus dem Archiv in Versailles llovus äss Ltuäss IX. p. 73.

2) Dsppin, IIsnAnot, Oarivol)' und noch andere setzen die Verbannungsämmtlicher Juden aus der Provence im Jahre 1498, auch die von Arles,Groß dagegen (a. a. O.) datirt für die Ausweisung derer der genannten Stadt1498, gestützt auf eine Notiz bei Mcnkcn (8ariptorss rsrunr (Isrnmnisoruin):äriäaei . . Onroli VIII nnatorituts urds st Xrslatsnsinin agris 1493 sx-xuisi sunt. Dieses Datum hat auch Bouis als Einleitung zu dem gefälschtenBriefwechsel zwischen den Juden von Arles und Konstantinopcl (Rsvus äs»Ptnäss I. p. 120 f.) Is Uo^ Ollarles .... ässirnnt äs onptsr tonjoursinieux 1s sosur cles lmbitants ä'^rlss elmssrr xrrr son säiot ossts ranuäitsrass äs In vills st äs son torritoirs 1'an 1498. Indessen ist auf Bouis'historische Angaben wenig zu geben. Er berichtet gleich darauf, daß schonLudwig XI. die Juden aus seinem Königreiche vertrieben hätte, was doch ge-schichtswidrig ist. Es läßt sich nicht gut annehmen, daß Karl VIII. die Gemeindendieser Provinz fünf Jahre später als die von Arles verbannt haben sollte.